Hallo alle zusammen!
Nun ist mein OP-Bericht endlich fertig! Da ich ja über 3 Wochen im KH war ist er auch dementsprechend lang geworden...
Ihr wisst ja, dass es einen eigenen Thread "OP von kathrin79" gibt. Dieser ist allerdings schon 9 (!!!) Seiten lang weil so viele von euch während meiner OP in diesem Thread gepostet haben. Ich danke euch für diese Aufmerksamkeit, es tut sehr gut zu wissen, dass ihr da seid!
Ich halte es nun für klüger, mit meinem OP-Bericht einen neuen Thread zu öffnen, damit es irgendwie übersichtlich bleibt. Schließlich habe ich auch vor, den Bericht später mit Neuigkeiten ("1 Monat danach",...) zu ergänzen.
Wer lesen möchte, was während meiner Zeit im KH so geschrieben wurde, der kann ja
hier nachlesen.
Also dann, ich hoffe, euch wird nicht allzu fad beim folgenden Roman...
LG Kathrin
Nachtrag:Mein OP-TagebuchDie Zeit im KrankenhausDO, 20.11.2008Abfahrt daheim um 7.30h. Frühstücken kann ich nichts, mir ist speiübel. Je näher wir unserem Ziel kommen, umso schlechter wird mir. Die Tränen kullern, ich schwitze und dennoch ist mir kalt.
10.00h Ankunft in Vogtareuth. Nach der Anmeldung wandern wir zur Station. Mein Zimmer ist noch nicht fertig, aber ein Arzt kommt schon mal zum Blutabnehmen und der Physiotherapeut stellt sich mit dem Atemtrainer vor.
EKG wird auch schnell gemacht, um 16.00h geht´s los mit den Röntgenaufnahmen. Kernspin-Tomographie muss auf zweimal gemacht werden (ganze WS). Ich habe einen blöden Hustenreiz, aber es ist auszuhalten. Zwischen den beiden Kernspin-Tomographien werden die Bending-Aufnahmen gemacht. Der Arzt zieht mit voller Kraft gegen meine BWS und schafft eine Korrektur auf 46°. Das Bending scheint ganz ok.
Vielleicht können wir über´s Wochenende noch mal heim?
FR, 21.11.2008Ich habe – mit Schlaftablette – gut geschlafen. Am Vormittag geht die Warterei los. Ich hab halt keine Ahnung, welche Untersuchungen noch gemacht werden müssen bzw. was sonst noch ansteht.
Irgendwann am Vormittag werden wir zum Oberarzt ins Büro gebeten. Dort folgt der Schock: es sind 2 OPs nötig. Am Montag (24.11.) soll eine Lösungs-OP gemacht werden, bei der die Bandscheiben entfernt und die Wirbel gelockert werden, eine Woche später soll dann die Versteifung erfolgen.
Ich muss noch einen Lungenfunktionstest machen, dann folgt das Aufklärungsgespräch beim Anästhesisten.
Am Nachmittag kommt noch mal der Oberarzt wegen des Aufklärungsgespräches. Es ist nicht angenehm, aber ich weiß ja, dass es sein muss. Jetzt, am Abend, fällt mir auf: meinen möglichen Todesfall hat er mir gar nicht unter die Nase gerieben (unterschrieben habe ich ihn sicher).
Wir werden das Wochenende bei Hannes im Quartier verbringen. So habe ich auch endlich meinen Privatbereich, wo ich mal meine ganzen aufgestauten Emotionen rauslassen kann. Bis jetzt habe ich mich halbwegs zusammenreißen können, lange halte ich das aber nicht mehr aus. Hier im KH hat man einfach überhaupt keine Privatsphäre…
SA, 22.11.2008Heute war ein relativ entspannender Tag. Wir sind gleich nach dem Frühstück ins Quartier von Hannes und haben uns dort aufgehalten. Dort bin ich ins Forum (Internet funktioniert!!!) und konnte endlich mal ungestört weinen. Das hab ich ganz dringend gebraucht! Die letzten zwei Tage hat sich sehr viel aufgestaut. Jetzt ist mir etwas leichter. Morgen werden wir es ebenso machen. Ich muss mich ablenken, die Warterei ist das Schlimmste…
SO, 23.11.2008Heute war für mich der emotionalste Tag bisher. Es ist furchtbar. Die Gedanken kreisen, sie lassen sich einfach nicht ausschalten. Ich hab schon hunderte Taschentücher vollgerotzt. Konnte gar nicht genießen, dass ich am Nachmittag noch mal einige Stunden mit Hannes verbringen konnte. Die innere Unruhe ist regelrecht körperlich spürbar. Am Abend kommt die Schwester und bereitet mich auf die OP vor: Rasieren der Härchen am Rücken, Thrombose-Spritze, Einlauf.
So, das war´s. In den nächsten Tagen werde ich wohl nicht soviel selber schreiben. Bin gespannt, wann ich das wieder kann…
MO, 24.11.2008 – Tag der 1. OPUm 5.30h werde ich geweckt. Ich soll mich duschen, das OP-Hemd und die Thrombose-Strümpfe anziehen und einiges an Tabletten schlucken, darunter auch eine LMAA-Tablette.
Um 7.15h werde ich in den Vorbereitungsraum gebracht (ich werde „eingeschleust“). Ich kann mich noch erinnern, dass mir die Tränen herunter gelaufen sind und die Ärzte und Schwestern mich beruhigt haben. Dann suchen sie noch einige Zeit an meinem rechten Handrücken nach einer günstigen Vene. Irgendjemand hat mir dann eine Maske über den Mund und Nase gehalten, ich wurde plötzlich sehr müde und dann weiß ich nichts mehr.
Die OP hat bis ca. 12.00h gedauert und verlief ohne Probleme.
ca. 12.15h: ich komme auf die Intensivstation
ca. 13.00h: ich wache auf und es werden alle Körperfunktionen überprüft. Kann mich noch erinnern, dass ich die Intensivschwester relativ bald nach der Uhrzeit gefragt habe. Ich wollte einfach wissen, wie lang die OP gedauert hat. Ich war relativ „wach“.
ca. 13.30h: Röntgen
ca. 14.00h: Hannes darf ganz kurz zu mir (ca. 10 min)
ca. 15.00h: Hannes darf bis 17.30h bei mir bleiben
ca. 19.00h: Überstellung auf Normalstation. Im Zimmer bin ich zum Glück alleine, habe noch keine neue Nachbarin. Hannes darf relativ lange bei mir bleiben (bis nach 23h).
DI, 25.11.2008 Die erste Nacht habe ich mit der Schmerzpumpe ganz gut überstanden. Am Vormittag werde ich gewaschen und auch die Zähne soll ich mir putzen (sehr schwierig im liegen…)
Mein Zustand ist ganz gut, nur die Augenlieder sind ganz schwer, sie gehen nicht richtig auf. Der Arzt sagt, dass das normal ist, der „Schlafzimmerblick“ kommt von diesem Scurare-Pfeilgift der Narkose. Ich übe fleißig mit dem Cliniflo (Atemtrainer), damit die Lungenflüssigkeit über die Drainage abfließen kann.
Abends darf ich ein paar Butterkekse und Zwieback essen. Schlecht von der Narkose war mir zum Glück nie.
MI, 26.11.2008 7.30h: erstes Frühstück nach der OP (Käsebrot und Tee)!
7.45h: Visite mit einem ganzen Schwarm Weißkittel (darunter auch meine Operateure). Sie dauert keine 30 Sekunden…
9.00h: Körperpflege und erster Verbandswechsel. Die Wunde sieht laut Schwester sehr gut aus.
Generell sind heute die Schmerzen stärker als gestern. Vor allem auf der operierten Seite tut alles sehr weh. Ich will am liebsten nur links liegen. Dafür habe ich keinen Schlafzimmerblick mehr. Die Lider gehen leichter auf.
Mittags darf ich sogar schon Schonkost essen.
Jetzt kann ich verstehen, warum sich alle auf den Tag freuen, an dem die Drainage gezogen wird. Ich habe ständig das Gefühl, dieses Ding in mir zu spüren und sehne mich richtig danach, dass sie gezogen wird!
DO, 27.11.2008 Die erste Nacht, wo ich ein paar Stunden hintereinander durchgeschlafen habe.
Nach der Visite erfahre ich, dass die Drainage nicht gezogen wird, ich darf mich aber zum ersten Mal auf der Bettkante aufsetzen. Nach dem Waschen ist es dann auch so weit! Mir ist schon ein bisschen schwummerig, aber Luft bekomme ich danach besser. Nach ungefähr einer Minute ist mir dann aber auch gleich wieder zum Hinlegen.
Für mich heißt es an diesem Tag wieder üben, üben, üben mit dem Cliniflo, in der Hoffnung, dass morgen endlich die Drainage rauskommt. Mein persönliches Unwort des Jahres ist mittlerweile „Thoraxdrainage“!!!
FR, 28.11.2008 Habe in der Nacht sehr schlecht geschlafen. Das Liegen auf der Thoraxdrainage bereitet mir Schmerzen und mir wird regelrecht schlecht davon.
Nach dem Frühstück plötzlich volle Aktion. Ich muss zu Röntgen um zu sehen, ob die Drainage gezogen werden kann. Mich nimmt das alles sehr mit weil ich fürchte, dass die Drainage nicht raus kann. Das wäre mein Albtraum!
Aber: Die Drainage kann gezogen werden!! Es tut ziemlich weh, vor allem das Zusammenziehen des Lochs, aber nachher ist mir etwas besser.
Um 13.30h kommt der KG um mit mir aufzustehen und sogar einige Meter zu gehen!! Es ist sehr anstrengend, aber ich bin mächtig stolz, es fast bis zum Schwesternzimmer geschafft zu haben!
SA, 29.11.2008 Um 2.00h Früh habe ich die letzte Kurzinfusion bekommen. Die Schmerzpumpe ist sowieso schon weg (ich soll ja heute von intravenös auf orale Medikation umgestellt werden). Die Kurzinfusion hat bis ca. 5.00h geholfen, danach habe ich keine Schmerzmittel mehr bekommen („Wir warten auf die Frühschwester und auf die Visite!“). Alle reden vom Aufstehen und vom Spazierengehen, doch die Schmerzen werden immer größer.
In der Früh um ca. 7.45h soll ich im sitzen gewaschen werden. Es dauert ewig. Dann kommt das Frühstück. Ich bringe fast nichts hinunter, weil mir alles so weh tut. Um 9.00h bekomme ich dann endlich Tabletten. Die Tabletten (Paracetamol) helfen überhaupt nichts. Ich bin fast am ausflippen!!!
Endlich kommt der Arzt und versichert mir, dass wir die Schmerzen in den Griff kriegen. Um 10.45h kommt dann endlich die Schwester mit den angeordneten Schmerzmitteln. Ich finde es eine Katastrophe, wie lange es dauert, bis ich ordentlich mit Schmerzmitteln versorgt werde, und beklage mich darüber, doch sie ist obergescheit, schnauzt mich auch noch an und verträgt offenbar überhaupt keine Kritik.
Die Schmerzmittel helfen, aber die Enttäuschung ist groß, dass man so leiden muss, bis endlich etwas geschieht.
Zwischen 2.00h früh und 10.45h nur 2 Pracetamol! Das ist lachhaft! Und das nach 4 Tagen Morphium!!!
Am Nachmittag geht es mir besser und wir drehen ein paar Runden mit dem Gehwagen.
Mein Geruchssinn ist übrigens seit der OP sehr stark ausgeprägt. Mir graust vor allen möglichen Gerüchen: Essen, Kaffee, ich rieche sogar die Federn im Polster.
S0, 30.11.2008 In der Früh wieder saumäßige Schmerzen. Es ist zum aus-der-Haut-fahren! Der Arzt erklärt mir, warum: die Medikamente wirken retardierend, d.h. zeitverzögert erst nach 3 Stunden. Er gibt mir für die Nacht was Neues (hoffentlich wirkt das besser!).
Danach erstes duschen! Es ist sehr anstrengend weil ich noch Schmerzen habe.
Am Nachmittag werden der ZVK und der Blasenkatheter gezogen.
M0, 1.12.2008 Nach einer wenig erholsamen Nacht kommt ein Arzt und erhöht endlich meine Medikamenten-Dosis. Danach muss ich zum CT und Röntgen im Stehen. Da ich selber hingehe ist alles sehr anstrengend. Zum Glück dauert alles nicht sehr lange (ich habe denen aber auch ziemlich eindringlich erklärt, dass es schnell gehen muss, weil ich sonst umkippe).
Danach soll ich nochmals zum Narkosearzt wegen der OP morgen. Allerdings bin ich um 10.45h dort und um 11.00h kommen erst die Ärzte. Und es sitzen schon mindestens 5 Leute da, die auch warten. Ich soll „mal eben kurz Platz nehmen“. Ich beschließe allerdings, dass ich nicht solange warten will und kann (sitzen ist noch sehr anstrengend). Wenn die so schlecht organisiert sind, dann muss der Doc. eben zu mir kommen.
Langsam kommt die Angst wieder – morgen ist die 2. OP…
DI, 2.12.2008 – Tag der 2. OPUm 6.00h heißt es wieder aufstehen, Zähne putzen, Tabletten schlucken, im Bett warten. Um 7.15h werde ich zur OP abgeholt. Was danach kommt, kenne ich schon.
ca. 13.30h: ich komme wieder auf ITS. Die OP hat also zwischen 4 und 5 Stunden gedauert.
ca. 22.00h: ich werde wieder auf Normalstation verlegt. Diese Nacht kommt mir sehr lange vor.
MI, 3.12.2008 Um 6.30h kommt Hannes schon, weil es mir wichtig war, dass er möglichst bald schon bei mir ist. Am Vormittag dann Visite vom Operateur, alles ist gut verlaufen und ok.
Ich habe ein extremes Muskelkatergefühl, ich fühle mich wie einbetoniert (ist das das Rucksackgefühl, von dem alle immer reden?!)
DO, 4.12.2008An diesem Tag erfolgen erneut Röntgenaufnahmen. Ich kriege sofort die Panik, weil die Röntgenassistenten sehr grob sind und ich schon weiß, dass die Prozedur wieder sehr schmerzhaft sein wird.
Ich werde im Bett hingefahren und plötzlich meint der Röntgenassistent ich solle aufstehen, auf seinem Zettel stünde „Röntgen im Stehen“. Ich erkläre ihm sehr unmissverständlich, dass ich auf keinen Fall aufstehen werde, weil ich nämlich nach der 2. OP noch nie gestanden bin! Und dass er gefälligst schnell arbeiten soll, weil ich nämlich noch an der Schmerzpumpe hänge, die aber im Zimmer bleiben musste, weil sie am Strom angehängt sein muss. Ich kann also grade nicht drücken und es darf jetzt nicht sehr lange dauern!
Das versteht der gute Mann und beginnt auch gleich wie wild mich zu drehen und die Platte unter meinen Rücken zu schieben, woraufhin ich ihn zum zweiten Mal anfahre, er soll mich sofort auslassen und eine Schwester holen, die mich auf die Seite dreht, denn ich hätte den Verdacht, dass er das überhaupt nicht könne.
Mir laufen die Tränen der Verzweiflung hinunter. Das scheint den Mann dann doch zu beeindrucken und er läuft sofort auf die Station und bringt eine Schwester mit. Die dreht mich dann auch – so wie es sich gehört – ganz vorsichtig auf die Seite und die Platte kann unter meinen Rücken geschoben werden.
Ich werde nie verstehen, warum die Röntgenassistenten nicht lernen, wie man einen an der WS operierten Patienten richtig dreht?! Da ist doch nix dabei, die Schwestern können das doch auch!
Zum Glück zeigen die RöBi eine korrekte Lage der Instrumentarien.
Ergebnis der OP: Versteifung von TH3 – L3, Restkrümmung BWS 48°, LWS 29°
FR, 5.12.2008Heute folgt nach dem Waschen der erste Verbandswechsel der dorsalen Narbe. Ich bekomme ein erstes provisorisches Korsett und soll das erste Mal aufstehen. Es ist wahnsinnig anstrengend und sehr schmerzhaft. Es tut so weh, dass mir die Tränen vor Schmerzen und Enttäuschung hinunterlaufen. Ich schnauze in meiner Verzweiflung sogar die zwei Pfleger an, die, während ich stehe, schnell mein Bett frisch überziehen und dabei herumalbern.
Dann kommt der Höhepunkt des Tages:
Plötzlich kommt der Oberpfleger ins Zimmer und beschwert sich bei mir, dass im Internet zu lesen sei, dass das Pflegepersonal auf der Station nicht zufrieden stellend arbeitet (es geht um das altbekannte Schmerzmittelproblem vom 29.11.). Er fängt mit mir zu diskutieren an und erklärt mir, ich hätte gefälligst zuerst mit ihm oder anderen Personen des Pflegepersonals Kontakt aufnehmen sollen, bevor ich im Internet Derartiges bekannt gäbe.
Es ist meiner Meinung nach eine unglaubliche Frechheit, was der Mann mir da unterstellt, denn:
1. habe ich mich bei einer Schwester darüber ausführlich beschwert. Dass diese das Problem ihrem Vorgesetzten nicht weitergeleitet hat, ist nicht meine Sache. Offenbar hapert es an der Kommunikation innerhalb der Station!
2. finde ich es ganz ungeheuerlich, dass sich der Mann drei Tage nach meiner OP vor mir aufpflanzt und mir derartige Dinge an den Kopf wirft. Ich war vollgedröhnt mit Morphium und ganz sicher kein gleichwertiger Diskussionspartner! Ich konnte mich ja gar nicht wehren! Ganz zu schweigen davon, dass er auch wissen hätte können, wie schlecht es mir an diesem Tag ging (ich war gerade das erste Mal aufgestanden und es war eine Tortour!). Ich werfe dem Mann vor, dass er meine unterlegene Situation schamlos ausgenützt hat.
3. muss ausdrücklich erwähnt werden, dass niemand, weder ich selbst (konnte ja gar nicht) noch irgendjemand sonst etwas Beleidigendes ins Forum geschrieben hat (ihr könnt ja nachlesen!). Es wurde auch niemand persönlich genannt. Ich verstehe also die Aufregung gar nicht. Und
4. ist es mein gutes Recht, meine Meinung zu diesem Vorfall zu äußern! Das muss ich mir schließlich nicht gefallen lassen.
Jedenfalls habe ich beschlossen, den Vorfall keineswegs auf mir sitzen zu lassen. Ich habe mich bei der Geschäftsleitung über den Mann beschwert und ihm bei meiner Entlassung auch noch mal einen „Abschiedsbrief“ zukommen lassen. Darin habe ich im schriftlich meine Meinung mitgeteilt. Ich hoffe, er hat den Brief erhalten.
SA, 6.12.2008Heute gibt es nichts Besonderes zu erzählen. Das Aufstehen geht heute schon viel leichter, ich habe auch deutlich weniger Schmerzen. Ich bin auch zwei Mal ein paar Meter gegangen (allerdings wirklich nur ein paar Meter…). Das Liegen wird schön langsam unerträglich.
SO, 7.12.2008Ich hatte wieder mal eine furchtbare Nacht. Heute wird wieder die Schmerzpumpe entfernt und ich bekomme Tabletten. Ich bin heute irgendwie unglücklich und ungeduldig. Es dauert alles so lange und ich kann noch so wenig… Aber immerhin: ich kann mich heute alleine aufsetzen und auch allein aufstehen.
MO, 8.12.2008Es folgt mal wieder eine schreckliche Nacht und ein sehr anstrengender Tag. Heute wird auf biegen und brechen der Gipsabdruck für´s Korsett gemacht. Ich habe zwar sehr unmissverständlich zu Bedenken gegeben, dass ich den Gipsabdruck möglicherweise nicht schaffe, weil ich seit der 2. OP noch nie länger als 3 Minuten gestanden bin, aber sie wollen das durchziehen. Eine Schwester, der ich meine Ängste geschildert hab, ich besonders lieb und kommt mit zum Gipsabdruck um mich abzulenken und für den Fall der Fälle einfach da zu sein.
Ich muss schon allein beim ausziehen des provisorischen Korsetts und anziehen des Gipshemdes schnaufen. Die Bandagisten sagen: „Oje, sie schnauft ja wirklich jetzt schon vor Anstrengung…!“ Ich: „Ich hab euch gewarnt! Macht´s schnell, ich sag´s euch, sonst kipp ich um!“ Die beiden Männer gipsen so schnell sie können, schaffen es dabei auch noch mich mit Gesprächen abzulenken und sind in Rekordzeit (6 Minuten!!!) mit dem Gipsabdruck fertig. Das haben sie echt super gemacht.
Wenig später werden mir die Nähte der ersten OP gezogen. Ich hatte gedacht, dass es zwicken würde, aber ich spüre fast gar nichts. Ist wirklich keine tragische Sache.
Noch ein Höhepunkt an diesem Tag: mein erster Marsch nach der 2. OP! Zusammen mit dem Physiotherapeuten schaffe ich es fast bis zur Station und zurück!
DI, 9.12.2008Diese Nacht habe ich endlich richtig gut geschlafen.
Am Vormittag werde ich geduscht. Anfangs geht es recht gut, doch dann wird es sehr anstrengend und mir wird schwindlig. Die Schwester reagiert aber super und schreit ihrem Kollegen: „Bett!“ Der fährt rucki-zucki mein Bett zum Bad und ich lieg auch schon drinnen. Haben sie echt gut gemacht, die beiden.
Danach bekomme ich einen Einlauf, denn ich hatte seit der 2. OP keinen Stuhlgang mehr. Der Darm muss endlich wieder leer werden.
Auch das Korsett ist schon fertig und ich kann endlich dieses provisorische Gestänge weglegen.
Insgesamt ist der Tag um vieles besser als der Montag. Ich bin heute auch die erste „Stationsrunde“ gelaufen!
MI, 10.12.2008Am Morgen Chefvisite. Mein Entlassungstag wird festgelegt (Dienstag, 16.12.). Der Chefarzt verlangt noch eine geringfügige Änderung des Korsetts, sonst ist alles ok. Ich schildere ihm noch Schmerzen oberhalb des linken Schulterblattes. Er tastet die Stelle ab und sagt: „Das sind nur Muskelschmerzen. Es ist nichts Tragisches und kein Wunder, dass Ihnen das nach so einer OP weh tut.“ Tatsächlich sind die Schmerzen dann auch wenige Tage später weg.
Langsam müssen wir uns um die Formalitäten kümmern (Liegendtransport und Korsett müssen mal wieder bei meiner KK extra beantragt werden…). Es geht aufwärts, die Spazierrunden werden größer.
DO, 11.12.2008Heute werde ich wieder geduscht, diesmal ohne Umkippen, allerdings ist es dennoch sehr anstrengend. Die Naht von der Thoraxdrainage wird gezogen.
Bettina besucht mich nochmals und bringt mir einen Haufen Post vom Forum mit. (An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an euch alle! Ich hab mich riesig gefreut!!!)
So eine Auslands-OP hat ganz offenbar ihre formalen Tücken. Es wird langsam kompliziert, was die Bezahlung des Liegendtransports und des Korsetts betrifft… Zum Glück hab ich Hannes mit, der das alles regeln kann!
FR, 12.12.2008 – SO, 14.12.2008An diesen Tagen ist nichts Besonders geschehen. Ich sehe viel fern und es ist mir zeitweise sehr fad. Aber ich halte es für ein gutes Zeichen, dass mir fad ist.
MO, 15.12.2008Heute habe ich mich allein geduscht! Die Schwester stand zwar immer neben mir, hat mir aber – außer beim Abtrocknen der Beine – nicht geholfen. Ich bin sehr stolz! Danach werden die Fäden der dorsalen Naht gezogen.
Wir beginnen auch langsam zu packen, denn morgen geht´s ja heim!
Allerhand Organisatorisches muss noch geklärt werden. Die Sekretärinnen hier sind auch nicht die Schnellsten… Ich habe bereits am Freitag bekannt gegeben, dass ich am Dienstag entlassen werde und bis dahin eine Aufenthaltsbestätigung und einen Implantatausweis brauche. Letzteres schafft die Gute, die Aufenthaltsbestätigung ist am Dienstag in der Früh immer noch nicht fertig… (Wenn ich nicht nachfrage, krieg ich sie gar nicht. Wie gesagt: die Organisation lässt generell zu wünschen übrig.)
DI, 16.12.2008Heute ist also mein Entlassungstag!
In der Früh stapfen wir schon um 7.30h zum Abmelden in die Rezeption. Zum Glück geht das sehr schnell.
Dann gehe ich zur Sekretärin wegen der Aufenthaltsbestätigung. Die Gute hat sie noch immer nicht getippt und fragt mich, ob sie sie mir schicken kann. Ich sage, dass sie das nicht kann, weil ich sie erstens schon am Freitag angefordert habe und ich sie zweitens zuhause gleich brauche. Ich muss ja meinem Arbeitgeber etwas vorweisen können!
Plötzlich steht auch schon der Fahrer meines Krankentransports da. Jetzt geht auf einmal alles sehr schnell.
Ich hab nicht mal Zeit, mich bei den Schwestern zu verabschieden und hinterlasse bei meiner Zimmerkollegin eine kleine Aufmerksamkeit für´s Personal.
Nach guten 2 Stunden sind wir daheim. Zuhause angekommen kullern erstmal die Tränen. Es ist so gut endlich daheim zu sein…