Fragen, Antworten und Erfahrungsberichte zur Skoliose-OP

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 Ungelesener BeitragVerfasst: 14. Juni 2016 11:49     Betreff des Beitrags: Ärztepfusch kostet Pia nach Rücken-OP das Leben
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Ärztepfusch kostet Pia nach Rücken-OP das Leben


Hinweis: Bei der Klinik handelt es sich NICHT um eine Klinik aus unserer Linkliste (http://www.skoliose-op.info/links/aerzte.html)

Die 15-Jährige litt an Skoliose, an einer Fehlbildung der Wirbelsäule. Eine Operation sollte helfen – und brachte den Tod. Ein Gutachter stellte nun fest, dass gegen die Regeln ärztlicher Kunst verstoßen wurde.

Tatort Krankenhaus: Pia ging wegen einer Rücken-Operation in eine norddeutsche Klinik. Die 15-Jährige fand dort am Ende keine Hilfe. Sie fand den Tod. Die Ärzte sind sich lange keiner Schuld bewusst. Dabei wurde Pia ein Opfer von Ärztepfusch, wie nun in einem langjährigen Rechtsstreit festgestellt wurde.

Pia hätte jetzt Abitur gemacht, vielleicht einen Freund gehabt, von einem Studium in den USA oder Spanien geträumt. Das denkt ihre Mutter oft, wenn sie Pias Freundinnen in Osnabrück sieht. Aus den Mädchen von damals sind junge Frauen geworden. Ihr Leben geht weiter. Pias endete auf der Intensivstation am 30. Mai 2013. Ihr Herz war fast blutleer.

Die Ärzte seien sehr zuversichtlich gewesen

Nichts haben die Eltern in Pias Zimmer in Osnabrück geändert. Alles steht dort noch so wie an dem Tag, als sie zu der Klinik fuhren. Sie hatten eine Ferienwohnung gemietet, weil Pia am Rücken operiert werden sollte. Auch Oma und Opa kamen mit. Und Coco, Pias Hund. Die 15-Jährige litt an Skoliose, an einer Fehlbildung der Wirbelsäule. Die sollte gerichtet werden. Pias Eltern hatten ein gutes Gefühl. Die Klinik gilt als Spezialklinik. Die Ärzte seien sehr zuversichtlich gewesen, erzählt die Mutter.

Langsam steigt die Aufregung

Pia war am Tag vor der OP mit Hund Coco noch am Meer. Ihre Eltern machten von den beiden eine Aufnahme im Strandkorb, bevor sie in die Klinik zurückkehrte. In ihr Tagebuch schreibt Pia am Abend: „Kurz nach 7 Uhr geht’s dann los… Für diese Nacht bin ich jetzt erstmals auf einem Einzelzimmer – Ich vermisse Coco jetzt schon! – Mama und Papa sind noch da und bleiben bis ich eingeschlafen bin… langsam steigt die Aufregung“, schreibt Pia in ihr Tagebuch.

Alle Geräte fingen an Alarm zu schlagen

Der 30. Mai ist der Tag des Eingriffs. Am frühen Nachmittag hören die Eltern vom Operateur die beruhigende Nachricht: Die OP sei gut verlaufen, eine bestmögliche Korrektur der Wirbelsäule erzielt worden. Pia zeige Reflexe; würde nicht mehr künstlich beatmet. Um 15.50 Uhr hätten sie auf Pias Zimmer gehen dürfen. Ihre Tochter sei aber immer von einem Arzt und einer Schwester abgeschirmt gewesen. Der Anästhesist soll behauptet haben, dass er schon im OP um Pia gekämpft habe. Starker Blutverlust! „Kurze Zeit später blinkten die Geräte und wir wurden aus dem Zimmer entfernt mit den Worten: Es war eine anstrengende OP; Pia braucht Ruhe, wir sollten später wiederkommen!"

Gegen 18.45 Uhr kehrten sie auf die Intensivstation zurück. Pia sei gerade wach und ansprechbar, soll eine Schwester gesagt haben, als sie sie in das Behandlungszimmer führte. „Pia war leichenblass, ihr Kopf lag zur Seite und wirkte aufgedunsen“, erinnert sich die Mutter. Die Schwester habe Pia am Arm berührt und gesagt: „Pia - Mama und Papa sind da! In dem Moment machte Pia zwei Atemzüge.

Alle Geräte fingen an Alarm zu schlagen, wir wurden aus dem Zimmer geschoben. Es wurde hektisch. Immer mehr Ärzte und Schwestern eilten herbei. Wir haben gebetet; Pias Namen immer wieder vor uns her gesagt; gehofft, dass sie es schafft“, sagt die Mutter. „Um kurz nach 21 Uhr kamen ein Arzt und eine Schwester mit gesenkten Köpfen zu uns und sagten, dass Pia verstorben sei! Wir waren fassungslos!"

Warum musste Pia sterben?

Drei Jahre später hält Pias Mutter das Tagebuch ihrer Tochter im Büro des von der Familie beauftragten Osnabrücker Rechtsanwalts Bernward Toennes in den Händen. Dort saß sie oft. Ihr Mann wollte nie mitkommen. „Jeder geht mit dem Schmerz anders um“, sagt sie. Es gab Gerüchte. Pia sei dünn und zierlich gewesen, habe womöglich Essensprobleme und deshalb die Operation nicht überlebt. Andere – auch in ihrer Selbsthilfegruppe „Verwaiste Eltern Osnabrück“ – fragten die Mutter, warum sie gegen die Ärzte vorgehe. Das würde Pia auch nicht zurückbringen. „Ich wollte die Wahrheit wissen. Das sind wir Pia schuldig“, sagt sie. „Die Erklärungen der Ärzte waren sehr widersprüchlich. Ich hatte den Eindruck, jeder wollte dem anderen die Schuld in die Schuhe schieben“, erinnert sich die Mutter. Warum musste Pia sterben?

Klinik wies alle Vorwürfe zurück

Die Klinik wies in ihrem ersten Schreiben alle Vorwürfe zurück. „Nach nochmaliger, eingehender Prüfung des Sachverhalts […] sehen wir kein Vorliegen der von ihnen behaupteten Behandlungsfehler…", heißt es in der Antwort an Rechtsanwalt Toennes. „Wir möchten Ihren Mandaten gegenüber unser Mitgefühl […] bekunden und hoffen zur Klärung des Behandlungsgeschehens beigetragen zu haben." Toennes strengt ein Zivilverfahren gegen einen Chefarzt, zwei Ärzte sowie gegen die Klinik an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Schriftstück um Schriftstück wird die Akte dicker, während Pias Mutter, Vater und Bruder versuchen, mit dem Verlust leben zu lernen. Es sind quälende Jahre.

Vielfach gegen Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen

Erst ein Gutachter bringt das Gebilde von Unwahrheiten zum Einsturz. „Aktenkundig wurde vielfach gegen die Regeln der ärztlichen Kunst verstoßen“, stellt der Sachverständige fest. Gegen 14.40 Uhr war die Operation beendet. Der danach eingetretene Blutverlust sei „sorgfaltswidrig völlig unzureichend behandelt worden“. Pia sei viel zu wenig Blutersatz zugeführt worden. Schließlich sei es „schlicht unverständlich“, dass dem Mädchen um 18.05 Uhr der Beatmungsschlauch entfernt worden sei, zumal es bereits am Nachmittag zu einem Herzstillstand gekommen war. Der Gutachter spricht in diesem Zusammenhang auch von einem „Verstoß gegen das elementare Grundlagenwissen eines Anästhesisten“ und sieht „fachärztliche Standards“ verletzt. So könne es nicht verwundern, dass zwei Herzstillstände auftraten, da dem jungen Mädchen ein Periduralkatheter gelegt und zwei Mal das Mittel Bupivacain angespritzt wurde. Es bestehe ein „absolutes Verbot für diese örtliche Betäubung bei einem Volumenmangelschock“. Dass Pia keine Thoraxdrainage angelegt worden war, hält der Sachverständige für sorgfaltswidrig. Die Blutung wäre dann in ihrer Dramatik erkannt worden. Die Ärzte hätten zwar ihr Allerbestes gegeben, um Pia zu retten. Doch sie haben „in tragischer Weise den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen“. Das Fazit des Gutachtens: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Pia bei sorgfältiger Beachtung dieser Faktoren heute noch leben würde."

Gericht folgt Urteil des Sachverständigen

Das Landgericht folgt dem Urteil des Sachverständigen und schlägt einen Vergleich vor, wonach Ärzte und Klinik rund 30 000 Euro zahlen müssen. Alle Beteiligten stimmen zu. In der Summe enthalten sind die Beerdigungskosten, das Honorar für den Sachverständigen sowie das Schmerzensgeld (rund 16 000 Euro), das Pia wegen des erlittenen Leids nach der Operation und bis zu ihrem Versterben zugesprochen bekam. Die Eltern haben nun die Wahrheit erfahren. Einen Strafprozess wollen sie nicht über sich ergehen lassen. Zuviel Kraft kostet sie das Leben ohne ihre Tochter. Die Staatsanwaltschaft stellt schließlich das Verfahren wegen geringen Verschuldens ein – auch mit dem Hinweis, die Beschuldigten wollten sich in einem persönlichen Schreiben an die Eltern zu wenden.

Pias Mutter wirkt desillusioniert

Tatsächlich erhalten Pias Eltern einen Brief. Drei Ärzte und die Geschäftsführerin haben ihn unterzeichnet. Sie sprechen Beileid und Mitgefühl aus. Doch in dem zweiseitigen Schreiben findet sich kein Wort der Entschuldigung. Im Gegenteil: Von einem „schicksalhaften tragischen Verlauf“ ist die Rede. Und: „Wir können uns, den beteiligten Ärzten, keine fachlichen inhaltlichen Vorwurf machen“, heißt es in dem Brief. „Ich hatte mit der Gegenseite ein Entschuldigungsschreiben vereinbart, in dem eine Verantwortung am Tod von Pia eingeräumt wird“, sagt Rechtsanwalt Toennes. „Das Landgericht ist schließlich von einem groben Behandlungsfehler ausgegangen, also von Fehlern der beteiligten Ärzte, die einem Mediziner schlichtweg nicht unterlaufen dürfen."

„Wir sehen uns im nächsten Leben“

Pias Mutter wirkt desillusioniert, als hätte sie von den Ärzten nichts anderes erwartet. Sie hat stundenweise wieder als Erzieherin angefangen zu arbeiten. Fast täglich geht sie mit Coco an die Grabstelle ihrer Tochter. Und gelegentlich holt sie Pias Tagebuch hervor, das am Abend vor der OP endet. „Hiermit verabschiedet sich die schiefe Pia von dir. Wir sehen uns im nächsten Leben." Dahinter steht ein kleines Herz. Pias letzter Eintrag.

Klinik entschuldigt sich am Ende doch

Nachdem unsere Redaktion die Klinik mit den Fakten konfrontiert und zu einer Stellungnahme aufgefordert hat, vollzog das Krankenhaus eine 180-Grad-Wende: In einem weiteren Brief an Pias Eltern entschuldigt sich nun das Hospital zum einen für das nicht Eingestehen eines Fehlers. Zum anderen bittet die Klinik die Eltern nun um Entschuldigung für die Fehler, die bei Pias Behandlung gemacht wurden.

Zu Sache:

Patienten in Deutschland sind im vergangenen Jahr häufiger Opfer eines von Krankenkassen bestätigten Behandlungsfehlers geworden. Die Zahl dieser Fehler stieg 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 268 auf 4064. In 205 Fällen starben die Patienten. Etwas geringer als die Fehlerzahl ist mit 3156 Fällen die Zahl derjenigen, bei denen ein Fehler nachweislich die Ursache eines Schadens war.

14828-mal begutachteten die Medizinischen Dienste der Kassen (MDK) von Patienten gemeldete Verdachtsfälle. Im Jahr zuvor waren es 165 weniger, wie der Medizinische Dienst des Kassen-Spitzenverbands (MDS) mitteilte. Zusätzlich beschwerten sich 2015 rund 12000 Patienten bei Stellen der Ärzteschaft, hier wurden 2132 Fehler festgestellt. Niemand weiß, wie viele Patienten sich direkt an Gerichte, Anwälte oder Versicherungen wenden. In der Vergangenheit schätzten die Ärzte die Zahl der Beschwerden auf 40000.

Quelle:  http://www.nwzonline.de/blaulicht/aerzt ... 63776.html

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