Fragen, Antworten und Erfahrungsberichte zur Skoliose-OP

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 Ungelesener BeitragVerfasst: 4. Februar 2013 18:24     Betreff des Beitrags: Richard III: Der König, der unterm Parkplatz lag
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Richard III: Der König, der unterm Parkplatz lag


Archäologen wollen in der englischen Stadt Leicester das verschwundene Skelett von König Richard III. gefunden haben. Über ihn schrieb Shakespeare sogar ein Drama und setzte ihm ein unschmeichelhaftes Denkmal.

Bild Bild

Er soll ein buckliger Bösling gewesen sein, ein skrupelloser Geselle, der seinen kleinen Neffen Edward V. und dessen Bruder als Kinder im Tower einsperrte und womöglich töten ließ, um auf Englands Thron zu steigen: Richard III. (1452–1485), der letzte Vertreter des Hauses York-Plantagenet. William Shakespeare setzte ihm etwa um 1593 mit dem gleichnamigen Historiendrama ein unschmeichelhaftes Denkmal und schob ihm gleich noch den (historisch nicht verbürgten) Mord an mehreren Familienmitgliedern unter.

Nur zwei Jahre, vom Juni 1483 bis August 1485, regierte der König, bevor er bei der Schlacht von Bosworth nahe Leicester (die letzte der „Rosenkriege“ zwischen den verwandten Adelshäusern York und Lancaster) laut Shakespeare verzweifelt „Ein Pferd, ein Königreich für ein Pferd!" verlangte – aber stattdessen, laut einer zeitgenössischen Ballade, „die Streitaxt in den Kopf bekam“. Sein Gegner war diesfalls ein Heer des walisischen Hauses Tudor, das fortan bis 1603 Englands Herrscher stellte.

Als Kopfabschlagen üblich war

Jahrhundertelang galten Richards Gebeine als verschollen. Jetzt glauben Archäologen, sie unter einem Parkplatz der Stadtverwaltung von Leicester ausgegraben zu haben. „Wir können noch nicht sagen, dass es RichardIII. ist“, sagt Richard Taylor von der Uni Leicester. „Aber die Suche hat eine neue Phase erreicht." Grund: Die Verletzungen an dem komplett erhaltenen Skelett, dass Forscher Ende August unter dem Asphalt fanden, passen gut zu Richards Tod: Der hintere Teil des Schädels wurde abgehackt, im Rücken steckt noch ein Pfeil.

„Die Leute im Mittelalter bekamen oft den Kopf eingeschlagen, aber die Pfeilspitze deutet auf einen Tod auf dem Schlachtfeld hin“, so die Chefarchäologin der Uni, Professor Lin Foxhall.

Noch wichtiger: Das Rückgrat ist stark verformt. „Wir glauben, dass die Person eine starke Skoliose hatte, eine Verkrümmung der Wirbelsäule. Dadurch hätte es ausgesehen, als ob seine rechte Schulter viel höher war als seine linke, das passt zu zeitgenössischen Beschreibungen." Shakespeare machte aus der Verkrümmung einen verunstaltenden Buckel.

Historiker wittern Sensation

Für Historiker ist der Fund, sollte es wirklich der König sein, eine Sensation: Außer diesem ging in der wechselhaften Geschichte der britischen Monarchie nur ein weiterer Leichnam verloren, der von JamesII. (1633–1701), der im Exil in Paris starb und dessen Überreste während der französischen Revolution verschwanden.

Dabei gab es kaum Anhaltspunkte für den Verbleib von Richard III.: Laut historischen Quellen wurde der letzte Vertreter der Plantagenet-Dynastie, deren innerfamiliäre Streitereien in den Rosenkriegen 1455–'85 das Geschehen auf den Inseln dominierten, nach seinem Tod ins nahe Leicester gebracht und dort in der Kirche des Franziskanerklosters Greyfriars verscharrt. Der Tudorkönig Heinrich VIII. ließ das Kloster 1538 schleifen, die Leiche wurde angeblich in einen Fluss geworfen.

Erst aufs zähe Drängen der „Richard III Society“, die seit Jahrzehnten (vergeblich) versucht, den von Shakespeare beschädigten Ruf des Königs zu rehabilitieren, nahm sich die Uni Leicester des Themas an, ortete den Klosterstandort auf dem Parkplatz und wurde fündig. „Es ist sehr aufregend – man buddelt normalerweise keinen Monarchen aus“, sagte eine der Archäologinnen, Helen Foxhall Forbes.

Ein Schreiner als Nachkomme

Nun soll eine DNA-Probe aus den Zähnen des Skeletts Gewissheit geben: Sie sollen mit dem Erbgut eines Londoner Schreiners, Michael Ibsen, verglichen werden, der als Richards direkter Nachfahre in der 17. Generation gilt. Dann könnte auch der lange „Winter der Unzufriedenheit“ (Shakespeare, Richard III.) der unbeirrten Richard-Fans zu Ende gehen. „Ich hoffe, dass die Wahrheit ans Licht kommt und wir ein realistischeres Bild von dem realen Menschen bekommen“, so Phillipa Langley von der „Richard III Society“. Sie versucht, Shakespeare auch künstlerisch zu widersprechen und schreibt gerade ein Drehbuch über ihren buckligen Lieblingskönig.

Quelle: http://diepresse.com/home/panorama/welt ... kplatz-lag

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 Ungelesener BeitragVerfasst: 28. April 2013 21:03     Betreff des Beitrags: Der König auf der Streckbank
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Der König auf der Streckbank


Auch ein König ist vor Krankheiten nicht gefeit: Richard III., dessen Knochen unlängst unter einem Parkplatz in Leicester gefunden wurden, litt zu Lebzeiten an einer ausgeprägten Skoliose, einer Krümmung der Wirbelsäule. Sie war so stark, dass seine rechte Schulter wahrscheinlich deutlich höher lag als seine linke. Zwar ist überliefert, dass der König sportlich sehr aktiv war, auch zeigt ihn keines der Porträts mit deutlicher Schräglage. Es ist aber doch zu vermuten, dass er behandelt wurde. Mary Ann Lund von der University of Leicester, Spezialistin für Geschichte der Medizin, hat untersucht, welche Therapien zu Lebzeiten des Königs zur Verfügung standen. Besonders angenehm kann es dabei nicht zugegangen sein.

Eine Behandlungsart war das Strecken - ähnlich der damals auch gängigen Foltermethode. Dafür wurden Taue unter den Armen und an den Beinen befestigt, der Patient auf ein Brett gelegt und dann die Taue auseinander gezogen, um die Wirbelsäule in die Länge zu ziehen. Das Strecken wird zur Behandlung von Skoliose im Werk des persischen Gelehrten Avicenna aus dem 11. Jahrhundert empfohlen. Da das Werk im mittelalterlichen Europa sehr bekannt war, ist nur wahrscheinlich, dass Richards Ärzte es konsultierten.

Zum Glück empfiehlt Avicenna auch angenehmere Therapien, zum Beispiel Massagen, wie sie in türkischen Bädern angewendet wurden, oder das Auftragen von Kräutersalben. Richards Skoliose hatte sich bereits im Kindesalter bemerkbar gemacht, wahrscheinlich sogar schon im Alter von zehn Jahren. Vielleicht trug Richard auch ein Korsett. Das gehört übrigens heute noch zu den Therapieoptionen bei einer Skoliose.

Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mens ... 96495.html

Zur Diskussion: Richard III: Der König, der unterm Parkplatz lag

Auch interessant zu dem Thema: Bilder von historischen "Therapien"

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 Ungelesener BeitragVerfasst: 15. Februar 2014 10:11     Betreff des Beitrags: Erbgut von Richard III. soll entschlüsselt werden
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Erbgut von Richard III. soll entschlüsselt werden


Mehr als 500 Jahre nach seinem Tod wollen britische Forscher das gesamte Erbgut von König Richard III. entschlüsseln. Ein Team um die Genetikerin Turi King erhofft sich unter anderem Aufschluss über Haar- und Augenfarbe des englischen Monarchen sowie über die Frage, ob seine berühmte Wirbelsäulen- Verkrümmung angeboren war.

"Die Entschlüsselung seines Erbguts ist ein einzigartiges Projekt", sagte King am Dienstag. "Es lehrt uns nicht nur eine Menge über Richard III., sondern treibt auch die Diskussion voran, was die DNA über unsere Identität, unsere Vergangenheit und unsere Zukunft verrät."

Skelett im August 2012 gefunden
Archäologen hatten das Skelett im August 2012 bei Grabungen unter einem Parkplatz im mittelenglischen Leicester gefunden (siehe Infobox). Anhand von DNA- Spuren aus den Knochenresten konnten sie nachweisen, dass es sich tatsächlich um die jahrhundertelang verschollenen Überreste Richards III. handelt. Es ist das erste Mal, dass auf der Basis von DNA- Spuren nun das gesamte Erbgut einer historischen Persönlichkeit entschlüsselt werden soll. Umgerechnet 120.000 Euro werden für das einjährige Projekt veranschlagt.

Richard III. war nur knapp zwei Jahre englischer König, bevor er bei der Schlacht von Bosworth - dem Höhepunkt der sogenannten Rosenkriege - am 22. August 1485 ums Leben kam. Nach seinem Tod war er nackt auf einem Pferd nach Leicester gebracht worden, um ihn zu demütigen.

Streit über künfitge Ruhestätte entbrannt
Historiker gingen davon aus, dass er in einer Franziskaner- Kirche bestattet wurde, die im 16. Jahrhundert zerstört wurde. Das Skelett wurde an einer Stelle exhumiert, an der vermutlich der Chor der Kirche stand. Über seine künftige Ruhestätte ist inzwischen ein Gerichtsstreit entbrannt.

Richard III. hatte England von 1483 bis 1485 regiert. Er wurde durch das gleichnamige Drama von William Shakespeare unsterblich, der ihn als blutrünstigen und machtbesessenen Herrscher darstellte.

Quelle: http://www.krone.at/Wissen/Erbgut_von_R ... ory-393231

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 Ungelesener BeitragVerfasst: 21. November 2016 12:46     Betreff des Beitrags: Neues zu Richard III
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Neues zu Richard III.


Der Fall war im Grunde hoffnungslos: ein seit Jahrhunderten verschollener König; dazu eine mutmaßliche Grabstelle, von der nicht einmal der Grundriss bekannt war. An der Entdeckung der Gebeine König Richards III. von England (1452–1485) und seiner Identifizierung war die Archäologin und Genetikerin Turi King von der University of Leicester entscheidend beteiligt. Am Dienstag berichtet sie an der Technischen Universität Berlin vom Sensationsfund des letzten Königs aus dem Hause Plantagenet.

Frau Dr. King, im August 2012 stießen Sie unter dem Parkplatz des Sozialamts der Stadt Leicester auf ein Skelett mit verkrümmtem Rückgrat. Ahnten Sie, was Sie vor sich hatten?

Es war der erste Ausgrabungstag, als wir nach sechseinhalb Stunden ein Stück Bein fanden. Unser Ausgrabungsleiter ertastete unter dem Knochen ein Skelett, aber in Großbritannien kann man menschliche Überreste nicht einfach bergen, das muss beantragt werden. Wir gruben also erst einmal um das Skelett herum. Viele Indizien haben später zur Identifizierung geführt.

Letzte Gewissheit brachte schließlich Ihre DNA-Analyse

Man muss immer alle Stränge der Beweisführung zusammenführen. Das ist so, als löse man einen historischen Vermisstenfall: Gesucht wird König Richard III., zuletzt gesehen im Chor der Franziskanerkirche in Leicester nach der Schlacht von Bosworth Field; besondere Merkmale: jung, Kampfverletzungen, eventuell eine Rückgratverkrümmung. Wir hatten Folgendes: das Skelett eines Mannes im Alter zwischen 30 und 34; Knochen mit Kampfverletzungen; eine schwere Skoliose. Die Radiokarbondatierung war übereinstimmend. Dann kam die DNA-Analyse zurück. Das ist nur ein Teil des Puzzles – aber ein wichtiges Teil.

Wie kompliziert war die Entschlüsselung der königlichen Gene?

DNA aus alten sterblichen Überresten herauszulösen, ist schwierig. Ob sie brauchbar ist, weiß man erst zum Schluss. Ich hatte Glück, weil ich die Analyse mit meinem deutschen Kollegen Michael Hofreiter aus Potsdam machen konnte, einem Experten für alte DNA. Wir mussten unter sterilen Bedingungen arbeiten, mit Schutzanzug und Gesichtsmaske, um die DNA nicht zu kontaminieren. Entnommen haben wir zwei winzige Proben aus den Zähnen, aber die DNA war stark fragmentiert.

Es hat 527 Jahre gedauert, Richard III. aufzuspüren. Stimmt es, dass Sie gerade noch rechtzeitig kamen? Denn die Linie Richard III. könnte bald erloschen sein.

Das ist richtig, wir hatten dieses kleine Zeitfenster: Wir mussten Erbgut nutzen, das auf relativ einfache Weise über Generationen weitergegeben wurde, das war die mitochondriale DNA. Sie wird über die weibliche Linie vererbt. Wir fanden zwei Leute mit diesen Merkmalen: Michael Ibsen, einen Kanadier, der von einer Schwester Richards III. abstammt, sowie eine Australierin, die ebenfalls in London lebt. Sie hat keine Kinder. Auch die Schwester von Michael ist kinderlos. Es stimmt wirklich: Vor 30 Jahren hatten wir die Technik noch nicht – und in 40 Jahren wären die Nachfolger mit den Merkmalen nicht mehr unter uns.

Die frühesten Porträts Richards, nach seinem Tod gemalt, zeigen einen Mann mit dunklem Haar und dunklen Augen. Michael Ibsen dagegen, sein Nachfahr, ist blond. Wie sah Richard III. wirklich aus?

Die Vererbung von Augen- und Haarfarbe ist sehr komplex, weil sie auf verschiedene Gene verteilt ist. Ich würde nicht davon ausgehen, dass Nachkommen in 17. Generation eine genetische Übereinstimmung bei Haaren oder Augen aufweisen. Tests haben aber ergeben, dass Richard III. mit großer Wahrscheinlichkeit blaue Augen hatte. Und zu 77 Prozent war er blond, zumindest als Kind.

Hat es Sie erstaunt, dass die Skoliose des Skeletts zumindest oberflächlich das Bild vom „buckligen Richard“ zu bestätigen scheint, das William Shakespeare in seinem Drama zeichnete?

Wir wissen aus historischen Dokumenten, dass Richard schiefe Schultern hatte. Das ist interessant, denn bei William Shakespeare, hundert Jahre später, hat er keine Skoliose, sondern einen Buckel – eine klare Überzeichnung. Außerdem verpasst Shakespeare ihm einen verkrüppelten Arm und lässt ihn hinken. Shakespeare versuchte, die Tudors bei Laune zu halten: Als er sein Stück schrieb, saß Elizabeth I. auf dem Thron, sie war die Enkelin von Heinrich Tudor, der Richard besiegt hatte. Da passte ein sympathischer, netter König Richard nicht in die Propaganda.

Das Faszinierende an Ihrer Arbeit ist, wie Sie Genetik mit Disziplinen wie Archäologie, Anthropologie und Geschichte verbinden.

Ich habe mit Archäologie in Cambridge angefangen, dann hat mich interessiert, wie man die Genetik zur Beantwortung von Fragen der Geschichte nutzen kann. Also habe ich Molekulargenetik studiert. Meine Doktorarbeit beschäftigte sich mit der Verbindung zwischen Familiennamen und dem Y-Chromosom. In Großbritannien werden Nachnamen seit der Zeit der Normannen vererbt. Meine Frage war: Wenn Familiennamen in väterlicher Linie auf die Kinder wechseln und auch das Y-Chromosom vom Vater zum Sohn weitergegeben wird, sind dann Leute mit demselben Nachnamen verwandt, weil sie mit jemandem in Verbindung stehen, der vielleicht vor 700 Jahre lebte? Zu meiner Studie gehörte David Attenborough, der berühmte britische Tierfilmer und Naturforscher: Ich habe eine Menge Attenboroughs aus dem ganzen Land gesucht, die nicht direkt miteinander verwandt waren. Aber 90 Prozent von ihnen haben identische oder fast-identische Y-Chromosomen-Typen. Und das zeigt, dass sie doch verwandt sind.

In welchen Feldern können diese Erkenntnisse helfen?

Zum Beispiel in der Kriminalistik. Wenn an einem Tatort ein Y-Chromosom-Typ entdeckt wird, ließe der sich theoretisch mit einer Datenbank mit Familiennamen abgleichen. Aber natürlich ist ein Name allein noch kein Indiz.

Der König vom Parkplatz ist im vergangenen Jahr nun feierlich wiederbestattet worden. Ist der Fall damit wissenschaftlich für Sie abgeschlossen?

Ich beende gerade mit Michael Hofreiter die komplette Genomsequenzierung Richards III. Das wird nächstes Jahr veröffentlicht.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/wissen/r ... n-25012238

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