Fragen, Antworten und Erfahrungsberichte zur Skoliose-OP

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 BeitragVerfasst: 1. April 2009 11:53     Betreff des Beitrags: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Therapie: September 2004 OP in Neustadt:
Versteift von Th5-L5. Restkrümmung thorakal ca. 38°, lumbal ca. 45°.
Geschlecht: weiblich
Dass die Skoliose einen starken Einfluss auf die Psyche haben kann, wurde hier im Forum schon oft beschrieben. Ob ohne, vor, während oder nach einer OP, zumindest unbewusst leidet die Psyche und manchmal kann es dadurch tatsächlich zur Beeinträchtigung der Lebensqualität kommen. Ich freu mich, dass Lupon uns dieses Thema für die Diskussion des Monats vorgeschlagen hat.

Als Denkanstoß hat Lupon folgende Punkte angeführt:
a. Wie äußern sich die Symptome?
b. Das Problem erkennen und annehmen
c. Psychotherapie?
d. Medikamente?
e. Sonstige Maßnahmen wie Entspannungstechniken…Yoga…..
f. Welche Hilfen sind von der KK zu erwarten?

Ein wirklich gutes Thema und ich freu mich auf eine interessante, neue Runde!
Das Thema des Monats findet im öffentlichen Bereich des Forums statt, der auch von Gästen gelesen werden kann.

Liebe Grüße
Anja

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 BeitragVerfasst: 1. April 2009 16:22     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Therapie: Schroth, Korsett
OP Mai 2008: ventrale Derotationsspondylodese Th11-L3 nach HaZi, Restkrümmung ca. 14°th und 10° lu
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Hallo zusammen,

dann will ich mal anfangen.
@Lupon, klasse Idee, finde ich auch!

Im Grunde muss ich erstmal über die psychischen Probleme vor der OP schreiben, denn die sind definitiv von denen nachher zu unterscheiden.

Vor der OP:

a) Symptome:
bei mir auf jeden Fall geringes Selbstwertgefühl, dadurch Introvertiertheit und auch teilweise depressive Verstimmungen. Klar, in der Pubertät ist man eh mal himmelhoch jauchzend, mal zu Tode betrübt, aber durch die Skoliose und die damit verbundenen "Umstände" (Kur, Korsett, ständig KG etc) fand ich alles noch schlimmer und ich denke meine Eltern können das auch bestätigen.
Ich hatte durch das geringe Selbstwertgefühl auch Probleme in der Schule, da ich mir quasi nichts zugetraut habe und dann auch noch Prüfungsangst dazukam.
Essstörungen bekam ich damals auch, dann so ca. mit 13 Jahren.
Habe stark abgenommen und hatte mich komplett in mich zurückgezogen.

b) das Problem erkennen/annehmen
ich habe das Glück eine supertolle Mutter zu haben, die immer für mich da war und ist und irgendwann gesehen hat dass es so nicht weitergeht.
Alleine kommt man denke ich in dem Alter nicht darauf einen Psychologen hinzuzuziehen.
Was mir ganz gut getan hat war meine tolle Krankengymnastin, mit Freundinnen darüber zu reden und letztendlich auch die Kur, wo man sehen konnte dass man nicht alleine mit der Skoliose ist.

c) Psychotherapie
begann ich dann mit 18 Jahren, eigentlich wegen anderer Gründe, allerdings kam dann auch die Skoliose als Thema für die Therapie dazu, was ja auch sinnvoll ist.
Dies hat mir teilweise geholfen.
Es hat mir geholfen mich selbst etwas besser zu akzeptieren und aktiver zu werden.
Leider kam es bei mir immer wieder dazu dass ich gar nichts für meinen Rücken getan habe, einfach um das Thema Skoliose komplett zu verdrängen. Was natürlich nicht funktioniert, denn spätestens bei der nächsten Blockade ist es wieder da.
Aber es war schon wichtig jemanden außerhalb der Familie zu haben, der da quasi "drüber steht" und objektiv auf das ganze Thema blickt, mit dem man reden kann.

Nach der OP:

..damit ich das alles jetzt hier nicht nochmal aufschreiben muss (sprengt sonst den Rahmen) kann- wen es interessiert- hier nachgelesen werden:http://forum.skoliose-op.info/phpBB3/viewtopic.php?f=63&t=3368

Generell kann ich sagen dass mir die Psychotherapie und die Einnahme von Medikamenten sehr geholfen haben bei meiner Problematik.
Momentan ist es so dass die Skoliose immer noch da ist (wenn auch in abgeschwächter Form) ich aber schon fast vergessen habe dass ich operiert bin.
Ich habe mich mit meiner ganzen Skoliosegeschichte ausgesöhnt und bin - auch durch die Psychotherapien - jetzt in der Lage mich selbst zu mögen und habe viel über mich gelernt.
Noch schöner ist es, anderen mit ähnlichen Problemen zu helfen, und das weiterzugeben was ich, teilweise über Jahre, selbst an Erfahrung gesammelt habe.

So, ich denke das war es erstmal.

Liebe Grüße, Elena

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 BeitragVerfasst: 3. April 2009 14:13     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Diagnose: idiopatische Skoliose, Zustand vor der OP weiß ich nicht, heute BWS 90°, LWS 30°, Verschleiß in der LWS,
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Therapie: Gipsschale,OP 1972 nach Harrington in Münster, Fisteln an der Rückennarbe, Dekubitus im Beckenbereich mit OP,Milwaukeekorsett, ca 1,5 Jahre, 1980, 2 Fisteloperationen, Entfernung des Metallstabs, keine weitere Therapie.
Geschlecht: weiblich
Hallo,

auch ich find das ein ganz wichtiges Thema, was oft untergeht.
Ich wurde mit gerade 12 Jahren operiert, das ist jetzt schon 37 Jahre her, die Verhältnisse waren daher noch etwas anders als heute.
Vor der OP wußte ich nicht, dass ich Skoliose habe. Meine Eltern waren mit mir bei verschiedenen Ärzten, Gipsschale, KG gab es, aber nie ein Röntgenbild. Die gab es erst in der Klinik in Münster und dann folgte die OP recht schnell.
Als Kind hat mich mein vorstehender Schulterknochen, so hieß das damals, nicht gestört. Im Spiegel seh ich meinen Rücken auch nicht, es war also egal. Das Turnen und die Gipsschale hab ich nicht ernst genommen.
Schmerzen hatte ich trotz der starken Krümmung nicht.
Im Krankenhaus hab ich dann durch die anderen Patienten erfahren, was Skoliose ist und was gemacht wird, auch alles über den Halo und den Gips hinterher. Mit meinen Eltern hab ich nie darüber gesprochen, die Ärzte waren sehr nett, haben mir aber auch nicht wirklich viel erklärt.
Auch als dann nach der OP nicht alles glatt lief (Fistelbildung, Dekubitus) hab ich all meine Informationen nur so nebenbei mitbekommen. Es reichte dann ja auch aus, dass ich mitgeteilt bekam, dass der Dekubitus operiert werden muss.
Ich hab damals alles so geschluckt, mir wenig Gedanken gemacht. Vor der Dekubitusop hatte ich Angst, aber das hat keiner gesehen.
Ich war mit 12 Jahren immer die Jüngste auf der Station.
Nach 5 Monaten Krankenhaus kam ich dann mit Milwaukeekorsett nach Hause.
Meine Mutter war überfürsorglich, hätte mir am liebsten alles verboten. Meine Zwillingsschwester fühlte sich benachteiligt, hat das an mir ausgelassen, statt mit meiner Mutter zu reden.
Ich hatte 4 Monate gelegen, musste aber nach ein paar Wochen, wo noch Ferien waren wieder zur Schule. Ich musste auch die 5 Monate, die ich verpasst hatte nachholen.
Ich hab das alles geschluckt, fand das normal. Ich hatte deutliche psychosomatische Beschwerden, aber die wurden mit Tabletten behandelt.
Gespräche gab es nie, nur viele ( zu viele) Verbote. Ich fühlte mich in meiner Klasse immer nicht wirklich zugehörig, konnte nicht so mitmachen.
Ich hab einfach alles verdrängt. Ich hab versucht zu funktionieren, wie es erwartet wurde. Übrig blieb von mir dann mehr eine äußere Fassade, hab mich ganz in mich zurückgezogen.
Als ich mit 20 Jahren die Fistel hatte, haben sich meine Eltern wieder um die ärztliche Behandlung gekümmert, aber mir ging es damals psychisch sehr schlecht, damit musste ich allein klarkommen, eher noch meine Mutter trösten.
Die Ärzte fanden wieder nicht notwendig, mit mir zu reden. Es reichte ja, wenn ich wußte, dass ich noch mal operiert werden muss. Gegen die 2. Fistelop hab ich mich gesträubt, da wurde ich dann mit einer Lüge ins Krankenhaus gelockt. Ich war damals depressiv, mir ging es schlecht, aber das hat (wollte) keiner sehen.
Die lange Zeit mit der Fistel hat viele Ängste bei mir hinterlassen, die Narbe heilte nach der OP schlecht, damit stand ich allein da.
Ich hab gelernt, zu funktionieren, auf vieles zu verzichten, ohne das aber zu zeigen. Ich hab meine Skoliose verdrängt, nach außen nicht gezeigt. Ich hab zwar Freunden erzählt, dass ich Skoliose habe, aber damit konnte keiner etwas anfangen.
Es war auch so, dass ich operiert war, damit war das Thema doch erledigt, kein Grund, sich an zu stellen und Rückenprobleme haben andere auch.
Ich hab meine gesamte Körperwahrnehmung verloren, selbst Schmerzen nicht wirklich wahr genommen bzw. verdrängt. Es war ja doch nichts zu machen. Irgendwann hab ich auch mal aufgeschnappt, dass ich keinen Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis habe, würde sowieso nur 30 % bekommen, ich war doch operiert, damit war doch alles in Ordnung. Mit dem Rest muss ich leben, eine weitere Behandlung ist nicht möglich.
Mein Selbstbewußtsein war immer sehr gering, ich hab mich immer mehr in mich zurückgezogen. Meine Gefühle hab ich immer mehr ausgeklammert, die dürfen ja doch nicht sein.
Zu Ärzten hab ich gar kein Vertrauen mehr, jeder Arztbesuch ist für mich eine starke psychische Belastung. Ich hab auch ein großes Problem mit Tabletten nehmen. Da ist bei mir eine Sperre, selbst wenn es sich um die Tabletten für meine Schilddrüse handelt, die nun mal wichtig sind.
Das ist nur ein Teil meiner Geschichte, aber schon lang genug.
Für mich ist nicht meine Skoliose das Problem, ich kenn es nicht anders. Aber dieses Schweigen, Verdrängen, die vielen Verbote, haben Spuren hinterlassen und mich sehr geprägt.
Viele Erfahrungen sind unbewußt in meine Arbeit eingeflossen, sie haben mich zu einem anderen Menschen gemacht. Hier kann ich vieles in positiver Weise nutzen. Das ist die meiste Zeit unbewußt geschehen, hat mir aber viel geholfen.
Eine neue Auseinandersetzung hat für mich erst wieder angefangen, weil ich ein Attest fürs Arbeitsamt brauchte, die Diagnose des Arztes hat mich umgehauen. Auch die Erfahrung, dass ich mit nur sehr wenig Unterlagen gleich einen Behindertenausweis mit 60% bekommen habe, hat viele Fragen ausgelöst.
Hier durch das Forum hab ich erstmals mitbekommen, dass viele meiner Empfindungen ganz normal sind, ich mich nicht anstelle. So langsam kommt auch mein Körpergefühl zurück. Ich hab dadurch auch mehr Selbstbewußtsein.
Eine Therapie habe ich wegen Mobbings mal angefangen, aber das hat gar nichts gebracht. Das Thema Skoliose kam dabei auch auf. Aber meine Therapeutin versuchte mir einzureden, dass ich unter meiner Skoliose leiden müsste. Das tu ich aber nicht. Das wollte sie nicht glauben. Die ganzen anderen Themen, über die ich jetzt geschrieben habe, hab ich nicht gesehen. Wir haben dann nur darüber gesprochen, dass es eine Überforderung war, die Schule nach zu holen. Gebracht hat das ganze mir nichts. Mir hätte mehr ein Ansatz geholfen, der neben Gespräch auch Körperwahrnehmung einbezogen hätte. Außerdem kann ich vieles besser mit Bildern ausdrücken. Die Krankenkasse zahlt aber nur reine Gesprächstherapien.
Ich versuch jetzt immer mehr die fehlende Auseinandersetzung nach zu holen. Das ist mir ganz wichtig. Gleichzeitig nutze ich meine Erfahrungen, um Andere zu unterstützen. Meine Geschichte kann ich nicht ändern, aber ich kann mein Wissen nutzen und jetzt bewußter leben.
Ich weiß, dass ich damit immer wieder anecke. Meine Nachbarin stört es schon, wenn ich das Wort Rippenbuckel benutzte, sie findet den Ausdruck abwertend.
Eine andere Bekannte sagte mir: Jemanden mit einem Schwerbehindertenausweis kann man nicht einstellen. Die nutzten ja nur aus, das man sie nicht kündigen kann. :wutteufel:
Na ja, damit muss ich leben, aber es gibt ja auch noch andere Menschen. Mir geht es jedenfalls besser, wenn ich offen mit meiner Skoliose umgehe.

Sorry, sehr lang geworden :roll:
Elisabeth

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 BeitragVerfasst: 3. April 2009 15:36     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Hallo Elena und Elisabeth,
danke für euren Mut, dieses sensible Thema mit euren beeindruckenden Geschichten zu eröffnen.
Teilweise finde ich mich bei euch beiden wieder, wie wahrscheinlich viele von "uns".

@Malve: Ich finde deine Aussage sehr wichtig und es ist doch eine sehr gute Erkenntnis, dass nicht deine Skoliose sondern dein Umfeld das Problem war und eigentlich spricht das sogar für eine sehr positive Selbstwahrnehmung. Nicht du hattest ein Problem mit dir sondern die anderen haben es dir auf´s Auge gedrückt und dich durch ihre Maßregelungen sehr in die Enge gedrängt. Da weiß ich nicht, was die leidvollere Erfahrung ist, sich selbst runtermachen oder von außen runter gemacht zu werden.

Was ich deutlich erkenne ist, dass ihr euch beide nicht mit dem "Geschehenen" abgefunden habt, sondern euch im Gegenteil, ganz offen und positiv damit auseinander setzt. Eure Texte hier helfen anderen ganz bestimmt weiter.

Liebe Grüße
Anja

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 BeitragVerfasst: 3. April 2009 18:42     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Hallo,
und Danke Anja!
Vielleicht traut sich ja noch jemand seine Sicht der Dinge oder Geschichte hier aufzuschreiben?
Würde mich freuen und viele andere sicher auch....also, traut euch!
Liebe Grüße, Elena

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 BeitragVerfasst: 5. April 2009 21:43     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Interessantes Thema - und teilweise finde ich mich im Beitrag von Malwe wieder.

Vor der OP hatte ich 8 Jahre Milwaukee-Korsett, vom Schulanfang bis zur 8. Klasse. Begleitet wurde diese "Therapie" von ständigen Verboten meiner Eltern (Renne nicht, springe nicht). Da ich mich als Kind nicht immer daran gehalten habe durfte ich nicht zu Freundinnen gehen - so dass ich dann keine Freundinnen mehr hatte. In der Schule hatte ich den Spitznamen "Skelett" wegen dieses blöden Korsetts. Die Schulzeit ist für mich ein einziger Horror - Selbstwertgefühl gleich NULL. Mit 13 Jahren wurde ich das 1. Mal operiert - natürlich ohne mich zu fragen. Ohne zu Murren bin ich ins Krankenhaus gegangen - ich kannte es ja nicht anders. Dort war ich wenigstens eine unter vielen und wurde nicht angestarrt wie ein Monstrum. Die OP verlief ... naja. Auf jeden Fall erhielt ich nach 6 Wochen hintenherum heraus, dass ich noch mal operiert werden müsse, weil sie wohl von der falschen Seite her versteift haben. Aber auch da wurde ich nicht gefragt. Die 2. OP habe ich nicht sehr gut weggesteckt - ich hatte panische Angst und wieder Komplikationen. Nach der OP hatte ich Gips und habe immer gesagt, das man mich falsch eingegipst hat - ich würde mir schief vorkommen. Mir wurde das aber nicht geglaubt ... ich war ja auch erst 14 (da wurde einfach nicht ernst genommen). Nach 6 Monaten, wo der Gips abgenommen wurde stellten sie fest, dass sie mich doch schief eingegipst hatten. Aber das wurde auch nicht mit mir besprochen - es wurden einfach für mich sehr schmerzhafte Übungen angesetzt - und wenn ich dann nach 10 Jahren Behandlung einmal nicht wollte, wurde ich nur mit "faul" betituliert.

Die Pubertät, wo alle ihren ersten Freund hatten, verlief nicht grad prickelnd. Ich hatte grad mal 6 Wochen ohne Korsett und Gips - in dieser Zeit hatte ich meinen ersten Freund. Allerdings hab ich dann vor der nächsten OP gleich SChluss gemacht - denn mich konnte ja keiner mit dieser Krankheit lieben.

Und diese Einstellung habe ich behalten. Ich bin nicht liebenswert. Außerdem lohnt es sich für mich nicht zu jammern - es hört eh keiner zu und es nimmt mich keiner ernst. Ich bin ein Meister im Verdrängen.

Arztbesuche lösen bei mir Panikattacken aus.

Ich habe im letzten Jahr eine Gesprächstherapie angefangen, ausgelöst durch den Tod meines Mannes, aber Skoliose und meine schreckliche Kindheit sind sehr starke Themen. Und langsam begreife ich Mechanismen, die einfach aus der Verdrängung meiner Skoliose entstanden sind.

Von der Selbstannahme bin ich noch weit entfernt - ich weiß auch nicht, ob ich mich je annehmen kann mit meinen Unzulänglichkeiten.

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Papiertigerlein

Sehnsüchtig grüßt der, der ich bin, den, der ich sein möchte. (Dostojewski).

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 BeitragVerfasst: 6. April 2009 09:17     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Mega-Tipper
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Alter: 50
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Diagnose: idiopatische Skoliose, Zustand vor der OP weiß ich nicht, heute BWS 90°, LWS 30°, Verschleiß in der LWS,
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Therapie: Gipsschale,OP 1972 nach Harrington in Münster, Fisteln an der Rückennarbe, Dekubitus im Beckenbereich mit OP,Milwaukeekorsett, ca 1,5 Jahre, 1980, 2 Fisteloperationen, Entfernung des Metallstabs, keine weitere Therapie.
Geschlecht: weiblich
Hallo Anja,
habe über deine Aussagen nachgedacht. Ich glaube, egal ob ich mich selbst in Frage stelle, oder durch den Druck von außen extrem eingeschränkt werde, das Resultat ist doch dasselbe. Das Selbstbewußtsein geht flöten, ich bekomme mit, dass ich nicht der Norm entspreche, draußen stehe.
Ich möchte noch zwei Punkte hinzufügen, die mir gesagt wurden;
-Ich hätte mir einen Beruf im sozialen Bereich gesucht, weil ich meine, ich muss aus Dankbarkeit das zurückgeben, was ich in meiner Kindheit bekommen habe.
Warum muss ich dankbar sein für all das, was schief gelaufen ist? Warum soll ich dankbar sein, dass Andere über meinen Kopf hinweg Entscheidungen für mich getroffen haben, die ich vielleicht gar nicht wollte? Warum muss ich alles nur schlucken? Ich funktioniere nur richtig, wenn ich alles so einfach schlucke, meine Gefühle verdränge.
Ich hab eine Weile gebraucht bis ich mich getraut habe, wirklich hin zu schauen, in Frage zu stellen und dann beide Seiten zu sehen. Es gibt Sachen, wofür ich dankbar bin, anderes ist schief gelaufen, davon war ein Teil vermeidbar, ein anderer Teil nicht.
Zum Glück kann ich auch sagen, dass ich nicht weitergebe, was ich erlebt habe. Mir ist Selbstbestimmung, Gespräch, die Suche nach gemeinsamen Wegen sehr wichtig. Ich weiß, dass ich damit gerade bei Vorgesetzten oft anecke, aber die Resonanz der Menschen, die ich unterstütze ist mir viel wichtiger.
- Ich würde mich in meiner Arbeit wohl fühlen, weil ich dort mit Schwächeren arbeite.
Menschen, die Hilfe brauchen, sind schwach, haben sich einzufügen. Genau so hab ich es auch erlebt. Ich lehne diese Unterteilung ab! Ich habe gerade von Menschen mit geistiger Behinderung sehr viel gelernt, sie haben ganz viele Gaben. Warum zählen nur Menschen, die funktionieren, die einfach alles machen können (oder ihre Einschränkungen gut verstecken können). Wir sind doch keine Maschinen.

Papieriegerlein,
ja in unseren Geschichten gibt es einige Parallelen. Gerade dieses anpassen kenne ich gut. Mir hat es geholfen, mir die Situation mal wirklich anzuschauen, mir das Recht zu nehmen, die Anordnungen in Frage zu stellen. Es war gut, dass du als Kind nicht alle Regeln befolgt hast. Mit dem Korsett kann man ganz gut rennen und einiges Andere anstellen, es war doch ganz stabil. Für mich war es ein schwerer Weg, es ging auch nur ganz langsam, weil so viele verdrängte Gefühle hochkamen.
Aber du hast auch ganz viele Gaben, gerade aufgrund deiner Geschichte. Es lohnt sich, auch da mal hin zu schauen.

Elisabeth

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 BeitragVerfasst: 20. April 2009 16:26     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Fleissiger Tipper
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Alter: 36
Bundesland: Tirol
Diagnose: idiopatische, linkskonvexe Lumbalskoliose
Therapie: Korsett von 13 - 18 Jahren, versch. physikalische Therapien, OP im Jahr 2000, Versteifung LW1-LW3
Hallo,
also wenn ich eure Geschichten lese, finde ich sehr viele Parallelen zu meiner Geschichte.
Ich hab auch mit 12 Jahren mein 1. Korsett bekommen. Ich war damals sehr fleißig mit Krankengymnastik usw. Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich im Turnunterricht immer ausgegrenzt wurde, weil damals unsere Turnlehrerin sagte, mit Skoliose kann man fast nichts mitmachen. Wenn ich so zurückschaue, fing damals das "In-Sich-Zurückziehen" an. Ich war, bis ich 14 war, eine sehr gute Schülerin. Dann wurde ich immer schlechter. Ich hatte auch null Selbstbewußtsein. Natürlich kam die Pubertät dazu. Aber ich hatte arge Komplexe und Minderwertigkeitsgefühle in diesem Alter. Sicher viel schlimmer als die meisten anderen. Ich ging in die Modeschule. Bei mir wurde immer vor den Mitschülern über dem Korsett maßgenommen.
Ich hatte arge Probleme mit mir selber, in der Schule, mit den Mitschülern. Ich hatte kaum Kontakte zu anderen, war äußerst schüchtern und verschlossen. Heute denke ich, dass die Skoliose hauptsächlich "Schuld" daran war. Die Matura hab ich mit "Ach und Krach" bestanden. Die ersten Freunde hatte ich erst nach der Schule. Ich hab meine Skoliose auch immer verdrängt, bis ich meinen jetzigen Mann kennengelernt habe. Durch ihn hab ich mich stark genug und endlich nicht mehr allein gefühlt, und mich operieren lassen. Ich bin jetzt aufrechter, aber die Skoliose ist mein ständiger Begleiter. Schmerzen kommen und gehen, naja, wie wahrscheinlich bei den meisten von euch.

Silke

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Nichts ist unmöglich, bevor man es nicht wenigstens versucht hat!


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 BeitragVerfasst: 20. April 2009 20:04     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Ich danke euch, für eure Beiträge.
@Papiertigerlein: Dein Bericht hat mich richtig betroffen gemacht. Ich habe dich zwar nur ganz kurz mal kennen gelernt aber ich finde dich sehr liebenswert und du hast eine sehr positive Ausstrahlung auf mich gehabt. Ich wünsche dir, dass du zu dir findest und deine tollen Seiten entdeckst.

Auch ich habe immer Probleme mit und durch meine Skoliose gehabt, aber ich war auch vor meiner Skoliose schon ein schüchternes und komplexbeladenes Mädchen. Manche Reaktionen z.B. auf meine roten Haare oder meine Sommersprossen haben mich als Kind eingeschüchtert, obwohl ich selbst überhaupt kein Problem damit hatte. Ich mochte beides. Komplexe hatte ich als Kind z.B. weil ich einen Nabelbruch hatte. Ich mochte wegen der kleinen Narbe und dem damals leicht vorstehenden Nabel keinen Bikini tragen. Meine Schüchternheit habe ich in drei achtwöchigen Kinderkuren auf Langeoog zum großen Teil verloren. Dort musste ich für mich einstehen und dadurch habe ich gelernt, dass es etwas bringt, wenn man sich traut.
Trotzdem war alles, was mein Rücken betraf immer eine riesen Hürde. Das habe ich auch schon mal unter "Angst vor Nähe" geschrieben. Einige Jahre habe ich sehr gut mit Verdrängung und Vermeidung gearbeitet und nach außen hin war alles OK. Manchmal, wenn sich jemand für mich interessiert hat, dachte ich "wenn du wüsstest...". In mir drin wurde die -auch immer schlechter werdende- Skoliose eine ziemliche Last. Da ging es mir schon auch ein wenig so, wie PT "wer kann (bei mir) so einen Rücken schon mögen". So lange ich "verkleidet" war, war alles OK aber wenn ich mich unbekleidet im Spiegel gesehen habe, fand ich den Anblick manchmal einfach nur unerträglich. Das war zumindest die letzten zwei Jahre vor der OP so. Durch die OP bin ich zwar immer noch nicht komplexfrei (das liegt wohl einfach in meiner Natur ;) ) aber ich fühle mich tatsächlich von einer Last befreit, obwohl ich immer noch nicht gerade bin. Insgesamt nehme ich viele Dinge wesentlich lockerer und nehme meinen Rücken nicht mehr so wichtig. Er steht nicht mehr im Zentrum und das ist toll.
Die OP selbst habe ich eigentlich gut verarbeitet, obwohl die Zeit danach auch nicht ohne Komplikationen abgelaufen ist. Ich glaube, dass ich diese Zeit sehr in Träumen verarbeitet habe und nicht zuletzt durch dieses Forum. Dadurch, dass ich selbst hier Beistand gefunden habe und mich hier nun schon einige Jahre um andere Betroffene kümmere (wenn man das so schreiben kann), filtere ich immer wieder auch meine Geschichte und dadurch verarbeite ich auch, glaube ich.

Auf der anderen Seite kenne ich aber auch einige Betroffene, die ein tolles Selbstbewusstsein haben und sehr gut und glücklich mit der Skoliose (operiert oder nicht) leben. Am Ende spielen glaube ich ganz viele Aspekte eine Rolle, wie stark eine Skoliose die Psyche beeinflussen kann.

Was könnte eurer Meinung nach dazu Beitragen, dass es nicht zu starken psychischen Belastungen kommt. Wie sollten Eltern, Ärzte, Lehrer und Therapeuten (re)agieren? Oder umgekehrt, was sind die Hauptfehler, welche die psychischen Auswirkungen verstärken?

Liebe Grüße
Anja

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 BeitragVerfasst: 20. April 2009 20:26     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Zitat:
Was könnte eurer Meinung nach dazu Beitragen, dass es nicht zu solchen psychischen Belastungen kommt. Wie sollten Eltern, Ärzte, Lehrer und Therapeuten (re)agieren? Oder umgekehrt, was sind die Hauptfehler, welche die psychischen Auswirkungen verstärken?


Also meiner Meinung nach ist es in der heutigen Zeit und in unserer egoistischen und teilweise unpersönlichen, perfektionistisch eingestellten Gesellschaft leider unmöglich zu bewerkstelligen dass es nicht zu psychischen Belastungen kommt.
Man müsste schon ein starkes Selbstwertgefühl haben und eine gefestige Persönlichkeit sein um sein "Schicksal" bzw. die körperlichen Defizite anzunehmen, um zufrieden damit leben zu können. Leider ist dies ja selten bei Skoliotikern der Fall, zumal die Skoliosen oft in der Kindheit/ Jugendzeit (also Pubertät) festgestellt werden, eine Zeit in der sich die Persönlichkeit stark verändert und entwickelt. Und vor allem eine große Unsicherheit besteht was das "ich" angeht.
Die Reaktionen der Umwelt treffen einen dann umso mehr und lassen einen an der eigenen Person zweifeln und den meist eh schon ungeliebten Körper noch mit der zusätzlichen "Belastung" Skoliose lässt das Selbstbewusstsein auf ein Minimum schrumpfen.
Dadurch kommt es ja häufig zu psychischen Problemen.
Leider kann man an der Gesellschaft und den Reaktionen der anderen Menschen nichts ändern.
Alleine die Art wie man damit umgehen kann ist erlernbar.
Es müsste meiner Meinung nach schon früh damit begonnen werden die Eigenkompetenz des Kindes/ Jugendlichen, was die Skoliose angeht, zu schulen, also den eigenen Umgang mit der Einschränkung. Genau wie die Kenntnisse der Eltern zu diesem Thema.
So kann man sicherer damit umgehen (zumindest was die Faktenlage angeht) wenn Ärzte schwachsinnige, unlogische Kommentare loslassen.
Ich finde auch die Ärzte der Schuluntersuchungen könnten gezielter auf die Wirbelsäule hin geschult werden, damit die Skoliosen früher entdeckt werden und rechtzeitig gehandelt werden kann.
Skolikinder/-jugendliche sollten öfter die Möglichkeit haben eine Kur zu machen, um mit anderen Betroffenen in Kontakt zu kommen.
Eltern betroffener Kinder sollten mit (in erster Linie) den Sportlehrern und Klassenlehrern der Kinder sprechen und sie über die Probleme (bzw. Situation) aufklären.
Die ganze Gesellschaft müsste mehr für Skoliosen sensibilisiert werden, aber das betrifft ja ganz viele andere Krankheiten oder Gesundheitsprobleme auch.

Mir geht noch viel mehr durch den Kopf, aber im Moment kann ich es nicht so ganz in Worte fassen.......

Das ist auf jeden Fall meine Meinung zu der Sache.

LG, Elena

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 BeitragVerfasst: 22. April 2009 15:43     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Skoliose BWS 108°; LWS 61°
Therapie: Gipsbett, Korsett,
OP 1988: versteift von TH4 bis L4 nach Harrington; Restkrümmung: BWS 54°; LWS 42°
Liebe Fories,
... daß wir so ähnliche Typen sind... Das muß schon irgendwie mit der Skoliose zusammenhängen, denke ich mir.
Oder die Psyche war schon vorher so, darum sind wir so krumm geworden (Rauswinden? Kein Rückgrat haben? Irgendwie so???) das ist vielleicht weit hergeholt, sehr abstrakt, aber es scheint mir nicht abwegig, vielleicht ein Punkt von vielen... gerade bei idiopath. Skoliosen...
Meine Skoliose hat sich in der Schulzeit entwickelt, vielleicht als Folge meiner Schonhaltung nach HerzOPs im Säuglings- & Schulkindalter (10 war ich bei der letzten). Für mich präsent war die Skoloise aber erst ab dem 11/12. Lebensjahr. Da war sie dann schon deutlich, ich bekam Gipsbett, Korsett... Eigentlich wollte man eine OP unbedingt vermeiden (wegen der HerzOPs), hat gewartet (Kosetttherapie war der Horror & ohne Erfolg), bis ich so hohe Werte hatte, daß es gar nicht anders ging – d.h. dann kurz vor meinem 17. Geburtstag die Skoli-OP (mit Halo, 3 Monaten Gips, 1 Jahr Korsett...)
Pubertät: kein Freund, keine Freundin, keine Clique... Isolation, aushalten, abwarten...
Gehänselt wurde ich zum Glück nie, aber vielleicht hat man mich nur ganz & gar nicht wahrgenommen, unsichtbar – vielleicht blieb mir das deshalb erspart...
Ich hab in dieser Zeit sehr viel gelesen, Bücher regelrecht verschlungen... Irgendwie mußte ich ja auch was erleben... Aber es war mir klar, daß Lesen nicht das Leben ist, nicht das Leben ersetzen kann... Ich war dabei sehr einsam & unglücklich...
Schüchtern & unsicher, viiiel zu ruhig... war ich von Anfang an...
Außerdem habe ich auch (meinen Eltern zuliebe) immer alles ertragen & gelächelt... Weiß nicht, wann ich gemerkt habe, daß jammern nicht hilft, daß aber alle lieb zu mir sind, wenn ich lache... Wahrscheinlich schon als Säugling auf der Kinderstation (war das 1. Lj komplett im KH wgen 2 HerzOPs)... Besuchsregelung war damals noch anders, nur am Wochenende zwei Stunden; außerdem wohnten meine Eltern in Greifswald & ich lag in der Berliner Charité... Meine Mama hat mir irgendwann mal erzählt, daß sie Angst hatte, wie ich wohl auf sie reagieren werde nach einem Jahr... Sie war ganz überrascht & glücklich – ich hab sie angestrahlt!
Wahrscheinlich (so denke ich jetzt darüber) hatte ich irgendwie immer ein schlechtes Gewissen, weil ich meinen Eltern so viele Sorgen machte, war stets ein braves Kind, war immer zurückhaltend... Fast in jedem Zeugnis stand, ich soll aus mir rausgehen, mehr mitarbeiten (mündliche Leistungskontrollen waren der Horror für mich), mich nicht unterschätzen etc...
Ich weiß, daß ich, wenn möglich, in der Kaufhalle (Ost-Supermarkt) einkaufen war, weil man dort einfach einpacken & zur Kasse gehen konnte... nicht wie im Bäcker oder Fleischer sagen mußte, was man möchte.... Ich hab es gehaßt, zum Bäcker zu müssen, meine Bestellung zu flüstern & dann natürlich ein forsches: „Wie bitte?! Was willst du?!“ von der Bäckersfrau zu hören – hinter mir ne lange Schlange... Peinlich!!! Als ich dann später mit Anfang 20 endlich mal in Discos war, hab ich den ganzen Abend nix getrunken, weil ich mich nicht getraut hab, an der Bar was zu bestellen... Als ichs dann doch mal gemacht hab, wurde ich natürlich glatt nach meinem Ausweis gefragt...
(Zur Kur war ich als Kind zweimal. Schrecklich!!!!! Bin dort leider nicht stärker geworden, sondern habe mich gefürchtet & hatte Heimweh... Allerdings wegen der Betreuerinnen & deren "Regime" dort, daß ich z.B. zum Essen gezwungen wurde, weil ich zu dürr war, &sw. Aber ich hatte Freundinnen dort :-D )
Was noch?
Also der Horror vor Ärzten ist bei mir ganz extrem. d.h.
Ich gehe nur zum Arzt wegen der Krankschreibung, wenns mir echt dreckig geht & ich nicht arbeiten gehen kann. Ich nehme seit Jahren keine Medikamente (wegen der Tierversuche, bin seit 11 Jahren Vegetarier), also nie (auch nicht bei ner Bronchitis oder Pfeifferschem Drüsenfieber, keine 'Pille' &sw...), ich gehe zu keinen Vorsorgeuntersuchungen (Chemo & Bestahlung würde ich sowieso ablehnen, also wozu dann?) ... wirklich nur noch ich bestimme über meinen Körper... 2005 hab ich mal meinen Rücken röntgen lassen, aber ansonsten – NOOO!
Naja, mein Körpergefühl ist eher schlecht... D.h. nicht insgesamt, nur meinen Rücken mag ich nicht, der Buckel stört mich extrem...
(die Erfahrung, daß ich immer kleiner & krummer wurde, war sehr schlimm, umso irrer die Erfahrung, daß mein Körper auch allein mit Krankheiten fertig werden kann, daß ich ihm auch vertrauen kann)
Eine RBR kommt nicht in Frage, weil ich nie wieder ins KH will. Darum hab ich mich auch nie für ein Kind entscheiden können, als Risikoschwangerschaft würde ich sicher "rund um die Uhr" medizinisch betreut werden – das fällt aus... Zumal ich nicht weiß, wie es mir vom Herz her dabei/danach gehen würde, vor Jahren hat man mir davon abgeraten...
Seltsam finde ich, daß diese Unsicherheiten bleiben, obwohl ich in Partnerschaften niemals schlechte Erfahrungen gemacht habe. Ich wurde immer angenommen & geliebt. Das habe ich jedesmal wie ein Wunder erlebt. Aber leider reicht das wohl nicht, um die prägendsten, frühesten Eindrücke & Erfahrungen auszugleichen.
Oder vielleicht ist man auch einfach wie man ist? Vielleicht wäre ich auch ohne Skoliose ein ängstlicher Mensch?

Mann, ist so viel geworden... – Danke fürs Lesen.
Liebe Grüße, Katrin

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 BeitragVerfasst: 22. April 2009 18:15     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Diagnose: Idiopathisch adoleszente doppelbogige, degenerativ agravierte Skoliose mit thorako-lumbaler Krümmung Th10-L3 58° n.Cobb u.thorakal rechtskonvexer Nebenkrümmung Th4-Th9 48°.Hochgradige Osteochondrose L4/5 und L5/S1. Drehgleiten L3/4.Spondylarthrose L4-S1 links betont
Therapie: Korsett im Jugendalter
Schroththerapie 2008 in Bad Salzungen
Massagen und Schmerzmittel bei Bedarf
Liebe Katrin,

ich weiß, ich bin bescheuert :zwinker:, aber ich sitze hier schon wieder mit Tränen in den Augen.

Dein Bericht hat mich unheimlich berührt und ich muß sagen, daß ich es toll finde, wie offen Du uns Deine Geschichte, Deine Gefühle und Deine Gedanken beschreibst.
Und ich muß sagen, daß ich Dich so ganz anders empfinde, als Du Dich selbst beschreibst!

Wenn jemand derart offen über seine Gefühle zu anderen, ja eigentlich wildfremden Menschen sprechen kann, zeugt das für mich von Größe und einem starken Charakter. Du reflektierst Deine Situation ganz genau und verfällst kein bißchen in eine "Jammerhaltung" und das zeugt für mich von Stärke.
Und eigentlich möchte ich gerne mal Euch allen DANKE sagen für Eure gefühlvollen Berichte, in denen ich oft meine eigenen Gefühle wiedererkenne. Und wenn ich sehe, daß auch Ihr Euch trotz allem ja ziemlich tapfer durch´s Leben schlagt, bekomm ich manchmal während des lesens auch wieder so ein Gefühl für meine eigene Stärke..wenn Ihr wißt, was ich meine :totlach: Ich finde es einfach wunderschön, daß wir einander hier haben!
Wir müßten echt mal einen ganz großen Kaffeeklatsch abhalten...ich glaube, das hätte schon was... :grins3:

Ich habe auch schon überlegt, was ich zu dem Thema sagen könnte. Ich war auch ein komplexbeladenes Kind, hab mich nie getraut vor anderen laut zu sprechen, Blickkontakt halten unmöglich, war immer ein Klassenaußenseiter, hatte im Jugendalter keinen Freund (mein bester Freund war mein Korsett :totlach: :heulen: ), aber ich hab das eigentlich nie bewußt an meinem Rücken fest gemacht. Ich habe eigentlich erst jetzt im Alter ein starkes negatives Bewußtsein für meinen Rücken entwickelt und Deine Worte ANJA sind das Echo auf meine Gedanken: "WENN DU WÜSSTEST....!" Ich hab eigentlich ein gutes Bewußtsein für meine Wirkung auf meine Mitmenschen und ich weiß eigentlich, daß gerade auch Männer mir sehr zugetan sind, ABER...wenn ich diese interessierten Blicke auffange, denke ich heute oft: "Wenn Du wüßtest, wie es UNTER dieser Verpackung (Kleidung :zwinker: ) aussieht." Und das sind dann so Momente, wo ich von einer Sekunde zur nächsten in ein tiefes Loch fallen kann und denke, daß mich mit so einem Rücken niemand lieben kann! Allerdings ziehe ich mich dann selbst an meinen Haaren wieder da raus und versuche mir immer und immer wieder bewußt zu machen, daß ICH nicht MEIN KÖRPER bin! Aber ich muß an manchen Tagen wirklich kräftig gegensteuern.

So...ist nun auch ganz schön lang geworden. Laßt Euch noch mal drücken und
liebe Grüße
Chrissy 0201


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 BeitragVerfasst: 22. April 2009 19:44     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Skoliose BWS 108°; LWS 61°
Therapie: Gipsbett, Korsett,
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Chrissy0201 hat geschrieben:
ich weiß, ich bin bescheuert :zwinker:, aber ich sitze hier schon wieder mit Tränen in den Augen.
Liebe Chrissy,
jaaaaa, das geht mir ganz oft so, wenn ich hier lese..., aber ich wollte nicht, daß Du weinen mußt, naja... :troest:

meine Offenheit kommt bestimmt daher, daß uns hier das verbindet, ich mich hier wohl & verstanden fühle.
Also ich habe so nur mit meinem Freund geredet. Mit meinen Freundinnen hab ich natürlich auch irgendwann mal über meine Krankheiten gesprochen, bin aber nie dermaßen ins Detail gegangen... offen, aber nicht so wie hier.
Chrissy0201 hat geschrieben:
Ich finde es einfach wunderschön, daß wir einander hier haben!
Wir müßten echt mal einen ganz großen Kaffeeklatsch abhalten...ich glaube, das hätte schon was...
Jaaaa, da gibts ja diese tollen :sopf:-Treffen. Leider habe ich es seit 2005 nicht geschafft, mal an einem teilzunehmen... Aber das wird noch!!! Ich hätte so Lust drauf!
:sonne:
Chrissy0201 hat geschrieben:
ABER...wenn ich diese interessierten Blicke auffange, denke ich heute oft: "Wenn Du wüßtest, wie es UNTER dieser Verpackung (Kleidung :zwinker: ) aussieht." Und das sind dann so Momente, wo ich von einer Sekunde zur nächsten in ein tiefes Loch fallen kann und denke, daß mich mit so einem Rücken niemand lieben kann! Allerdings ziehe ich mich dann selbst an meinen Haaren wieder da raus
das geht mir genauso... & ich denke dann immer: Mensch, ich hatte trotzdem viiiiiiel Glück! Hab keine Schmerzen, bin nicht gelähmt, kann mein Leben selbst bestimmen!!!
(denke bewußt nicht "anderen gehts schlechter", das is ja so negativ, sondern "mir gehts gut!")

so, nun aber genug,
seid lieb gegrüßt, Katrin

Nachtrag:
Katrin K hat geschrieben:
bin seit 11 Jahren Vegetarier
Quatsch, sind erst 9 Jahre.

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 BeitragVerfasst: 23. April 2009 20:34     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Diagnose: idiopatische Skoliose, Zustand vor der OP weiß ich nicht, heute BWS 90°, LWS 30°, Verschleiß in der LWS,
Lungenvolumen 56%
Therapie: Gipsschale,OP 1972 nach Harrington in Münster, Fisteln an der Rückennarbe, Dekubitus im Beckenbereich mit OP,Milwaukeekorsett, ca 1,5 Jahre, 1980, 2 Fisteloperationen, Entfernung des Metallstabs, keine weitere Therapie.
Geschlecht: weiblich
Hallo Chrissy,
Chrissy0201 hat geschrieben:
"Wenn Du wüßtest, wie es UNTER dieser Verpackung (Kleidung ) aussieht."


Hast du schon mal überlegt, was die Anderen unter ihrer "Verpackung" verstecken?
Ich hab jahrelang immer nur mitbekommen, dass bei mir etwas nicht in Ordnung ist (und das war nicht in erster Linie nicht mein Rücken). Ich hab dadurch den Eindruck bekommen, dass die Anderen einfach immer viel mehr können, keine Probleme haben und hab mich immer mehr zurückgezogen oder versucht, den Anderen etwas vorzuspielen. Damit bin ich dann aber auch nicht klar gekommen.
Es geht mir nicht darum, Schwächen beim Anderen zu suchen, aber vielleicht hinter die äußere Fassade zu blicken. Manchmal gehört viel mehr Mut dazu, einen Anderen so anzunehmen, wie er ist. Aber gleichzeitig ist es doch auch das, was wir wollen, u.a. mit unserem Rücken.
Mir geht es seitdem viel besser und ich habe sehr intensive Begegnungen, bei Anderen merke ich sehr schnell, dass ich mit denen nicht ins Gespräch komme. Ich hab auch nicht mehr den Anspruch, dass ich mit jedem klarkommen muss.

Hallo Katrin,
ich finde mich in manchem wieder, was du beschrieben hast. Da ich auch Probleme hatte, laut und deutlich vor Anderen zu reden, hab ich mir angewöhnt, ganz schnell zu reden, damit ich schnell fertig bin. Ob die Anderen das verstanden, war mir dabei gar nicht so wichtig.

Gruss
Elisabeth

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 BeitragVerfasst: 24. April 2009 23:58     Betreff des Beitrags: Re: [April 2009] Skoliose - so reagiert die Psyche
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Hallo Ihr Lieben,

ich habe mir Eure Beiträge schon so oft durchgelesen und bekomme doch immer wieder Gänsehaut, wenn ich lesen muss, was ihr durch Eure Skoliose mitgemacht habt.

Ich hab mir sehr lange überlegt, ob ich mit meinen Erfahrungen die ich gemacht habe hier überhaupt schreiben soll. Denn meine Erlebnisse durch und mit meiner Skoliose sind ganz andere als Eure, eigentlich genau das Gegenteil. Ich möchte Euch meine Gedanken dennoch nicht vorenthalten.

Ich hatte und habe zum Glück noch nie psychische Probleme gehabt, die auf meine Skoliose zurück zu führen waren. Ich war neun Jahre als sie in der Schule entdeckt wurde und der Orthopäde den wir damals aufsuchten war sogar in der Lage den Winkel auszumessen. Tja, und das wars dann erst mal. Ich bekam wie viele andere auch KG verschrieben, die nichts brachte. Von einem Gipsbett und Korsett hatte er uns abgeraten, da die Verkrümmung ja erst bei 18° war. Ich bin heute noch dankbar dafür, dass mir diese Dinge erspart geblieben sind.

In den nächsten drei Jahre wurde ich zwar immer krummer, ich bekam beim Laufen immer weniger Luft, hatte aber noch keine großen Schmerzen. Die kamen erst in den letzten Monaten vor der OP dazu. Also in der Zeit zwischen erster Regelblutung und OP. Da war ich zwölf und das war auch die Zeit, in der meine Verkrümmung sich rasant verschlechtert hat. Aber ich hatte in der ganzen Zeit kein Problem mit der Gesamtsituation an sich. Vielleicht lag es auch daran, dass ich ja keinen Rippenbuckel hatte, sondern nur in der Hüfte schief war und deshalb wegen meinem Rücken nie gehänselt worden bin. Ich hatte in dieser Beziehung einfach eine heile Welt um mich, die mich deshalb auch nicht ins Grübeln brachte.

Natürlich versuchten meine Eltern in der Zwischenzeit alles um mir zu helfen. Sie sahen ja auch, dass mein Rücken nicht besser wurde. Wir waren bei weiteren Ärzten, was auch nichts brachte und dann hab ich mich erst mal geweigert überhaupt wieder zu einem Arzt zu gehen. Meine Mutter hat es dann doch irgendwann geschafft mir klar zu machen, dass es sein muss. Und dieser Arzt was das Beste was uns in meiner Situation passieren konnte. Er war ein Mensch.

Er hat sofort gesehen was mit mir los war, als wir in sein Sprechzimmer kamen. War da ja mit meinen gerade mal 12 Jahren auch schon bei stolzen 66° Grad angekommen. Trotzdem hat er in aller Ruhe seine Untersuchungen und Röbis (ganze Wirbelsäule) gemacht, meinen Cobb-Winkel ausgemessen und meine Mutter dann gebeten, bis zum Ende seiner Sprechstunde zu warten, damit er Zeit für uns hat. Es war dann kein Patient und keine Arzthelferin mehr da, als er uns in aller Ruhe erklärt hat wie meine Situation ist und wie es weitergehen wird, wenn nichts gemacht wird.

Ich denke mal, das ist so eine Situation gewesen, die zwar schlimm war, für meine Mutter wahrscheinlich noch mehr wie für mich, die aber einfach durch das menschliche Verhalten meines Orthopäden nicht bedrohend für mich war.

Das was dann folgte, war die nächste große positive Überraschung. Er war ein Studienkollege zu Dr. Zielke gewesen. Was dies bedeutete wurde mir allerdings erst viel später so richtig bewusst. Er hat ihn noch während unseres Beiseins sofort angerufen und ihm meine Geschichte erzählt (den genauen Wortlaut würde ich wahrscheinlich heute noch zusammen bekommen) und knapp zwei Wochen später hatten wir unseren Termin in der WWK.

Nicht dass Ihr jetzt denkt wir wären da jetzt vor Freude hüpfend aus der Praxis raus. Wir waren schon geschockt und geheult wie ein Schlosshund hab ich auch als mir gesagt wurde, dass ich operiert werden muss. Und mein heißgeliebter Papa wusste von allem ja noch gar nichts. Müsste ich mal meine Mutter fragen, wie dieser Abend abgelaufen ist. Ich weiß nur noch, dass wir im Lexikon geguckt haben was Skoliose bedeutet, und dass mein Papa die Straßenkarte rausholte um zu gucken wo Bad Wildungen eigentlich ist.

Nun kam die nächste positive Überraschung. Die WWK in Reinhardshausen sah so gar nicht nach Krankenhaus aus. In der Ambulanz gab es damals so gut wie keine Wartezeiten. Es wurden wieder Voruntersuchungen und Röbis gemacht. Und dann kam Dr. Zielke. Obwohl er mir mitteilte, dass ich um eine OP nicht herumkommen werde, werde ich die positive Ausstrahlung dieses Menschen nie vergessen.

Die Aussage von Dr. Zielke war eindeutig. So schnell wie möglich operieren, da mein Knochenwachstum meinem eigentlichen Alter auch noch etwas voraus war. Und er wollte mich ja wieder ganz gerade machen. Wir wussten nun wie es weitergehen sollte und machten uns wieder auf den Heimweg.

Selbstverständlich haben wir daheim erst mal ausgiebig über das Erlebte gesprochen. Und da möchte ich auch ganz deutlich sagen, dass ich bei keiner Diskussion und bei keinem Gespräch mit der restlichen Familie oder Freunden außen vor gestanden habe. Es wurde weder über meinen Kopf hinweg geredet noch wurde über meinen Kopf hinweg entschieden. Meine Eltern vertraten die Meinung, dass ich erst dann operiert werden kann, wenn nur ich ganz alleine dazu bereit bin. Denn nur ich alleine muss da durch. Diese Einstellung meiner Eltern haben mir das Gefühl gegeben, dass sie mich ernst nehmen, und dass ihnen meine Meinung sehr wichtig ist. Als ich nach einigen Wochen JA zur OP gesagt habe, durfte ich mit meinen zwölf Jahren die Einverständniserklärung meiner Eltern symbolisch mit unterschreiben.

Nachdem die Entscheidung gefallen war, war es für mich selbstverständlich mit meinen Freunden und Schulkameraden darüber zu reden, dass ich irgendwann ins KH muss, weil ich an der Wirbelsäule operiert werden muss. Auch da hab ich nur positive Reaktionen erlebt. Auch die Reaktionen des Rektors und der ganzen Lehrer waren durchweg positiv. Tenor war, lasst sie erst mal in KH gehen und alles weitere ergibt sich danach. Meine größte Sorge war ja, dass ich ein Schuljahr wiederholen musste. Auch dies ist zum Glück nicht passiert, da mein KH-Aufenthalt ca. 8 Wochen vor den Sommerferien begann. Somit hatte auch dieses Thema einen positiven Ausgang für mich. Auch in der Schule standen alle hinter mir.

Über meine Zeit in der WWK 1979 möchte ich gar nicht viel schreiben. Ich habe mich dort sehr, sehr gut aufgehoben gefühlt. Wir (Patienten, Pflegepersonal und Ärzte) waren damals wie eine große Familie. Wir haben uns vor und nach unseren OPs gegenseitig Mut gemacht. Diese Zeit möchte ich in meinem ganzen Leben nicht missen. Ich habe mich auf jeden Untersuchungstermin in den folgenden 10 Jahren gefreut.

Auch über die Zeit kurz nach der Rückkehr aus dem KH kann ich nur positives berichten. Meine Schulkameraden haben sich ganz lieb um mich gekümmert, dass mir auch ja nichts passiert. Und jeder wollte seine Unterschrift auf meinem Gips hinterlassen.

Als ich nach ca. 4,5 Monaten meine Stagnara-Korsett bekam war ich überglücklich. Zum einen durfte ich für 2 Wochen wieder in die WWK, zum anderen durfte ich endlich wieder schwimmen gehen. Was hab ich das genossen. Auch meine Schule hat extra für mich den Stundenplan geändert. Alle Sportstunden waren entweder zu Schulbeginn oder Schulende, so dass ich später kommen oder früher gehen durfte. Auch hatte ich nie ein Problem, mit meinem Stagnara-Korsett im Bikini ins Freibad zu gehen.

Sorry, dass ich Euch so zugetextet habe. Aber ich glaube, ohne diese Zwischeninformationen ist es schwer nachzuvollziehen, weshalb für mich diese Geschichte – ich bezeichne meinen Rücken bis heute noch nicht als Krankheit – in meinem Leben so positiv gewesen ist.

Mein Fazit:
Ich hatte in dieser Zeit ganz, ganz viel Glück im Verhalten von ganz vielen Menschen.
Ich musste in meinem privaten Umfeld gegen keine Widerstände ankämpfen und ich wurde ernst genommen.
Es gab von keiner Seite blöde Sprüche wegen meinem Rücken.
Ich war Kind und meine Eltern haben alles getan, damit es mir gut geht.
Alle, ob Schule, Freunde, Familie, meine Eltern sowie so haben mir nach der OP Mut gemacht.
Und das Wichtigste! Ich hatte damals den besten Operateur den man sich wünschen kann und einen ganz lieben Orthopäden an meiner Seite.

Ich hoffe, ich konnte einigen Skolis Mut machen. Mich hat mein Rücken und meine Skoli stark gemacht. So richtig bewusst geworden ist mir das allerdings erst, als ich ein paar Jährchen älter war. Aber ich habe festgestellt, dass sich bei mir durch diese Erfahrung der Blickwinkel auf viele Dinge geändert hat.

Ich habe gerade festgestellt, dass ich meinen Bericht zum absolut falschen Zeitpunkt geschrieben habe. Ich sitzt nämlich gerade vorm PC und bin am heulen. Meinen Papa der immer für mich da war, ist gestern vor 26 Jahren an Darmkrebs gestorben.

Nochmals sorry, und liebe Grüße, Uschi


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